Schützenfest in Grevenbroich 2018: Ein König vom Chiemsee war Begründer einer langen Tradition

Schützenfest in Grevenbroich : Ein König vom Chiemsee war Begründer einer langen Tradition

Der Grenadierzug „Erftgrafen“ ehrte vor 40 Jahren seinen ersten Zugkönig. Daran erinnert heute noch eine Altsilberplakette von Ludwig II. Elblein.

Seit nunmehr 40 Jahren, also seit 1978, veranstalten die 1896 als Große Karnevalsgesellschaft Grevenbroich und ab 1936 auch als Grenadierzug im Grevenbroicher Bürgerschützenverein aktiven „Erftgrafen“ einen Königsehrenabend. Der Verein war viele Jahre gleichzeitig im Winter- wie auch im Sommerbrauchtum aktiv.

Es wurden festliche Prunksitzungen zu Ehren des Prinzen Karneval veranstaltet und mit großem Erfolg unter starkem Interesse der Bevölkerung Rosenmontagszüge in der Stadtmitte mit durchgeführt. Doch Mitte der 50er Jahre des vergangenen Jahrhunderts ließ das Interesse der Grevenbroicher an karnevalistischen Aktivitäten stark nach – und die „Erftgrafen“ kürten nicht nur keinen Prinzen Karneval mehr, sondern stellten Ihre Fastnachts-Aktivitäten vollständig ein. Daraufhin reduzierte sich gleichwohl die Mitgliederzahl deutlich.

In den 70er Jahren erlebten die nunmehr eher als Grenadiere und nicht mehr als Karnevalisten auftretenden „Erftgrafen“ eine Renaissance, die auch einen bunten Strauß von Aktivitäten zur Folge hatten. So wurde das erste Schützenbiwak des BSV Grevenbroich am 20. August 1976, auf Anregung des Königskreises, von dem Grenadierzug ausgerichtet. Auch wurde für die Grevenbroicher Bevölkerung ab 1979 im Festzelt an der Graf-Kessel-Straße – in späteren Jahren im Rittersaal – ein Tanz in den Mai, ab 1980 erweitert um ein Frühlingsfest, veranstaltet. In 1983 besannen sich die „Erftgrafen“ ihrer karnevalistischen Wurzeln und veranstalten wieder Kostümfeste. Vor 40 Jahren aber fand dann zu Ehren von Ludwig II. Elblein am 1. April 1978 im Sportlerheim am Flutgraben der erste Königsehrenabend statt.

Wie ist es zu der Idee, einen solchen Abend auszurichten, gekommen? Zugkönige hatten die „Erftgrafen“ doch schon vorher. Ludwig Elblein war bereits seit Mitte der 50er Jahre Mitglied der Gemeinschaft. Und all die Jahre reiste er regelmäßig zum Schützenfest vom bayrischen Prien am Chiemsee in die Schlossstadt an die Erft. Bereits 1962 trug er mit Stolz als Ludwig I. die Zugkönigskette der „Erftgrafen“. Die erneute Erwerbung der Königswürde 1978 sollte, auch aufgrund seiner langjährigen Treue über eine weite Entfernung hinweg, besonders hervorgehoben werden.

Was lag näher, als einmal einen besonderen Abend zu veranstalten? Der Abend wurde zur Tradition und zum Dankeschön an den jeweiligen Zugkönig, zum einen die Regentenwürde zu übernehmen und zum anderen den Zugkönigsfrühschoppen am jeweiligen Schützenfestdienstag für die Erftgräfinnen und Erftgrafen auszurichten. Ludwig Elblein dankte damals aber auch dem Grenadierzug. Davon zeugt das Herzstück der Königskette. Eine Altsilberplakette von Ludwig II. sowie einer zweiten Plakette mit dem Haupt eines Weißkopfseeadlers und der Aufschrift „Prien am Chiemsee“. Bis heute wurde diese Veranstaltung weiterentwickelt. Unter anderem wechselten die Veranstaltungsorte immer wieder.

Nach dem Sportlerheim waren die „Erftgrafen“ noch im Bürgerhaus Elfgen, im Domizil der Arbeiterwohlfahrt, im Wilhelm-Laux-Haus in Laach, im Kanu-Heim am Flutgraben und auch in der Kantine der Entsorgungs-Gesellschaft Niederrhein im Industriegebiet Ost sowie nicht zuletzt – aufgrund immer ansteigender Besucherzahlen – im Roten und Blauen Saal des Alten Schlosses. In den vergangenen Jahren wurde der Ehrenabend im geräumigen Elsener Carl-Sonnenschein-Haus abgehalten.

Der Ablauf der Veranstaltung ist klassisch. Ein straffer und förmlicher offizieller Teil – mit dem Herzstück der humorvollen Königsehrung und einiger kurzweiliger Gästeansprachen – wird schnell abgelöst durch ein fröhliches und gleichzeitig zwangloses Fest mit Tanz und Musik zur Bildung neuer und Vertiefung bestehender Freundschaften. Neben persönlichen Gästen des Königs und den offiziellen Repräsentanten von BSV- und Regimentsführung sind bei diesem Treffen des Freundeskreises der „Erftgrafen“ neben Abordnungen befreundeter Vereine aus Wevelinghoven, Elsen und Laach auch immer wieder viele Vertreter aus dem großen Kreis der den „Erftgrafen“ passiv verbundener Mitglieder anzutreffen. Diese Veranstaltung ist das „Hochfest“ im Jahreskalender des Zuges und soll es noch viele Jahre bleiben.

(NGZ)
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