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Bürgermonitor in Grevenbroich: Schöpfen erlaubt – pumpen verboten

Bürgermonitor in Grevenbroich : Schöpfen erlaubt – pumpen verboten

Ein Anlieger des Flutgrabens möchte sich das Gießen des Gartens erleichtern. Der Rhein-Kreis verweist auf geltendes Recht und lehnt das Begehren ab.

Wer von Hand aus dem Vollen schöpft, tut nichts Unrechtes. Ganz egal, ob er sich dabei diverser Eimer, Kannen oder Kübel bedient. Erst wenn der Betreffende mit einer Pumpe liebäugelt – etwa aufgrund seines Alters von knapp 80 Jahren – wird aus dem Gießen eines 800 Quadratmeter großen Gartens ein Streit zwischen Bürger und Behörde. Auf der einen Seite steht Siegfried Müller, Nutzer der Parzelle Nummer 406 in Grevenbroich. Auf der anderen Seite pocht die Untere Wasserbehörde des Rhein-Kreises auf das Recht und den Schutz der Umwelt. Zwischen beiden Königskindern fließt der Flutgraben.

Um den geht es. Seit 40 Jahren kümmern sich Barbara und Siegfried Müller um die Parzelle an diesem oberirdischen Gewässer, dessen Gemeingebrauch Anliegern zusteht. Aus Eimern, Kannen und Kübeln dürfen sie Grabenwasser auf ihre Beete verteilen. Bilder belegen: Die beiden in Neuss wohnenden Müllers haben den grünen Daumen. Doch das macht jede Menge Arbeit. 50 Eimer voller Wasser können es pro Gießrunde schon werden – hat Müller gezählt. Die fünf Regenwasserbottiche auf dem Nutzgartengrundstück fielen zuletzt trocken. Deshalb beantragte er die Pumpe.

Die würde jedoch nach Meinung des Rhein-Kreises den engen Rahmen des Gemeingebrauchs sprengen: „In Nordrhein-Westfalen ist das Schöpfen mittels Wasserpumpen von der Erlaubnisfreiheit nicht erfasst.“ Formal seien die Müllers nicht Eigentümer des Grundstücks. Würde man ihnen eine Pumpe erlauben, müsse man das auch bei den Nachbarn tun. „Bei anhaltender Trockenheit und sommerlichen Temperaturen können auch geringfügige private Wasserentnahmen nachteilige Auswirkungen auf das ökologische Gleichgewicht insbesondere kleinerer Gewässer haben.“ Der Kreis sieht Tiere und Pflanzen in Gefahr, sobald die Anlieger abpumpen, was der Elektromotor hergibt.

Zudem müsste Siegfried Müller mit dem Schlauch einen Wirtschaftsweg des Erftverbands queren, was dieser nicht erlaube. Dass sich Spaziergänger am Garten erfreuen und das Wasser zurück in den Flutgraben flösse – so Müller – das zählte nicht. Einigungsmöglichkeiten vermutlich erschöpft.