Grevenbroich: Brüderpaar betrieb schwunghaften Drogenhandel

Grevenbroich : Brüderpaar betrieb schwunghaften Drogenhandel

Ein ungewöhnlicher Rauschgift-Prozess beschäftigt ab Donnerstag das Landgericht Mönchengladbach. Vor dem Richter steht ein 21 Jahre alter Grevenbroicher. Er soll gemeinsam mit seinem Bruder einen schwunghaften Handel mit Drogen aufgezogen und organisiert haben. Das Besondere daran: Laut Anklage erledigten beide Brüder den Rauschgift-Verkauf neben ihrer normalen Arbeit. Der Verkauf der Drogen erfolgte im Großraum München.

Wie die Staatsanwaltschaft Mönchengladbach mitteilte, hatte der Rauschgifthandel im November 2009 begonnen. Damals soll der Grevenbroicher zunächst ein halbes Kilogramm Marihuana bei einem — gesondert verfolgten — Mann gekauft und anschließend mit Hilfe seines Bruders weiterverkauft haben. Der lebte zu diesem Zeitpunkt laut Ermittlungen in Geretsried bei München, dort soll er das Rauschgift in der Szene abgesetzt haben.

In der Folgezeit sollen sich die Drogenmengen immer weiter gesteigert haben. Der 21-Jährige, der in Grevenbroich eine Ausbildung machte, war laut Anklage für den Ankauf der Drogen zuständig, in der Nähe von Würzburg soll er das Rauschgift jeweils an seinen Bruder übergeben haben. Der gelernte chemisch-technische Assistent soll die "Ware" übernommen, nach Geretsried transportiert und dort weiterverkauft haben. Im März 2010 kauften die Brüder laut Ermittlungen erstmals gleich mehrere Kilogramm Rauschgift.

"Dafür sollen sie insgesamt mehr als 18 000 Euro gezahlt haben", erklärte Gerichtssprecher Joachim Banke. Im April des vergangenen Jahres folgte angeblich ein weiterer "Großeinkauf" in einem Coffee-Shop in Venlo. Hier sollen beide Brüder mehr als drei Kilogramm Marihuana gekauft und nach Grevenbroich gebracht haben. Zu diesem Zeitpunkt allerdings waren sie offenbar längst ins Visier der Drogenfahndung geraten: Anfang Mai erfolgten Durchsuchungen in Grevenbroich und Geretsried, das Brüderpaar wurde verhaftet.

Während der 21-jährige Grevenbroicher am morgigen Donnerstag am Landgericht Mönchengladbach auf seinen Prozess wartet, wurde sein Bruder in München bereits verurteilt. Gegen ihn wurden Ende Dezember vergangenen Jahres drei Jahre Haft verhängt.

Strafmildernd wurde hier im Verfahren die geringe Lebenserwartung des 23-Jährigen berücksichtigt — er leidet unter Mukoviszidose und soll höchstens bis zu 35 Jahre alt werden. Dementsprechend dürfte die Strafe für den jetzt angeklagten Grevenbroicher wesentlich höher ausfallen.

Für den Prozess gegen ihn hat das Landgericht Mönchengladbach nur einen Verhandlungstag angesetzt. Es wird erwartet, dass er ein Geständnis ablegt.

(NGZ)
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