Landart hinterlässt einen verwahrlosten Eindruck: Brikettfelder sind zu Staub zerfallen

Landart hinterlässt einen verwahrlosten Eindruck: Brikettfelder sind zu Staub zerfallen

Von Wiljo Piel

Von Wiljo Piel

Einen eher verwahrlosten Eindruck hinterlässt das Landart-Projekt im Elsbachtal. Obwohl es erst im Vorjahr übergeben wurde, ist von den akkuraten Brikettfeldern, die der Künstler Benoit Tremsal angelegt hat, kaum mehr etwas zu sehen. Und das Unkraut, das zwischen den künstlichen Erdhügeln sprießt, lässt Freunde gepflegter Hausgärten erschaudern. Eines von zwölf Braunkohlenfeldern des Landart-Projekts im Elsbachtal: Die vom Künstler Benoit Tremsal verlegten 10.000 Briketts haben sich bereits in ihre Bestandteile aufgelöst, sind zu Staub zerfallen. Insgesamt macht die 2002 übergebene Anlage für den Betrachter einen verwahrlosten Zustand. NGZ-Foto: H. Jazyk

"Und dafür wurden 200.000 Euro ausgegeben", maulen Spaziergänger. Doch Dr. Herbert Jacobs, Mit-Initiator der Land-Kunst, beschwichtigt: "Das muss so sein." Ganz unumstritten war das Landart-Projekt im Rekultivierungsgebiet eigentlich nie. Schon lange vor seiner Realisierung meldeten sich Kritiker zu Wort, die sich vor allem an den Kosten des Vorhabens stießen. 200.000 Euro, die der Grevenbroicher "Verein zur Förderung kultureller Weiterbildung und Pflege des Europa-Gedankens" aus Spendengeldern zusammentrug, seien beispielsweise in heimischen Schulen besser angelegt, hieß es damals.

Die Vereinsmitglieder ließen sich davon nicht beirren, pünktlich zur Euroga 2002 wurde das Projekt nach den Plänen des Münchener Künstlers Benoit Tremsal verwirklicht: Vierzehn Hügel, jeder drei Meter hoch und 14 Meter breit, wurden mit zwölf quadratischen (10,25 mal 10,25 Meter) Feldern aus handelsüblichen Union-Briketts kombiniert. Ein Symbol für die vom Tagebau geprägte Region, meint Tremsal.

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Mit seinen "deutlich künstlichen Formen" will der gebürtige Franzose daran erinnern, dass die Rekultivierungsfläche Elsbachtal alles andere als ursprüngliche Natur ist. Doch gerade die Naturgewalten schlugen beim Landart-Projekt unbarmherzig zu. Durch Wind und Wetter haben Tremsals künstliche Formen in den Monaten nach der Übergabe stark gelitten: Die 10.000 Briketts lösten sich durch Regen, Frost und Sonneneinwirkung in ihre Bestandteile auf, sie sind zum überwiegenden Teil zu Kohlenstaub zerfallen.

Einige dickere Brocken liegen noch hier und da zwischen Hügeln und Feldern verstreut herum - ein Hinweis auf Vandalen, die es mit der "Klütten"-Kunst offensichtlich nicht so genau nahmen. Zudem sorgt Unkraut, das auf dem zwei Hektar großen Gelände munter sprießt, für einen nicht gerade gepflegten Eindruck. "Und das soll Kunst sein?", fragt sich da der Spaziergänger. Ein klares "Ja" kommt aus Meerbusch: Dort wohnt Dr. Herbert Jacobs, Präsident des Grevenbroicher Europa-Vereins.

Die Verwitterung der Braunkohlen-Briketts sei von vornherein von Benoit Tremsal eingeplant worden, meint er - schließlich soll die Natur von der künstlichen Landschaft nach und nach Besitz ergreifen. Darauf deute auch der Name "Entwicklungsfelder" hin, der dem Werk verliehen wurde. Auch das Unkraut gehöre zu diesem natürlichen Übergriff in die Kunst - wenngleich, wie er zugibt, ein erster Rasenschnitt kurz vor der Türe stehe.

Aus Dr. Jacobs' Sicht ist das Projekt gelungen: "In Kunstkreisen und in der Fachpresse ist es sehr positiv aufgenommen worden." Es sei selbst in Hamburg bekannt - und im kommenden Herbst werde es bei einem Rekultivierungs-Symposium der RWE Rheinbraun noch einmal groß thematisiert.

(NGZ)
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