Grevenbroich: BoA wegen Panne vom Netz

Grevenbroich: BoA wegen Panne vom Netz

Wegen eines Fehlers in der Leittechnik mussten die neuen BoA-Blöcke F und G kurzfristig vom Netz genommen werden. Inzwischen läuft aber alles wieder rund. RWE Power sieht den Ausfall entspannt.

Die beiden neuen BoA-Blöcke F und G sind in der vergangenen Woche kurzfristig vom Netz genommen worden. Das wurde erst jetzt bekannt. Auf NGZ-Nachfrage bestätigte Manfred Lang, Unternehmenssprecher bei RWE Power, den Ausfall. "Am Donnerstag hat sich Block G gegen 14 Uhr wegen eines Fehlers in der Leittechnik abgeschaltet", sagte er. Sieben Minuten später musste auch Block F heruntergefahren werden, da die Dampfleitungen von Block F und G zu diesem Zeitpunkt gekoppelt waren ("Hilfsdampfbetrieb"). Nach sechs Stunden konnten die Anlagen wieder gestartet werden. Manfred Lang relativierte den Ausfall: "Es kommt immer wieder vor, dass Blöcke kurzfristig vom Netz genommen werden."

Foto: Berns, Lothar

Beim zuständigen Netzbetreiber Amprion hatte man die Lage gut im Griff. Zwar sind die beiden BoA-Blöcke mit 2200 Megawatt Leistung enorm stark. Das entspricht einer Leistung von zwei Atomkraftwerken. Doch selbst der Wegfall dieser Menge stellt kein Problem für die Stromversorgung dar. Amprion-Sprecher Andreas Preuß betont, dass es sich um keinen außergewöhnlichen Vorfall gehandelt habe. "Es gehört zum normalen Geschäft, dass Kraftwerke vom Netz genommen werden", sagte er. "Im europäischen Netz gibt es stets vorgehaltene Reserven. Es können bis zu 3000 Megawatt ausfallen, ohne dass es zu Problemen kommt."

Auf Monitoren wird im Kraftwerk kontrolliert, ob die Blöcke wie vorgesehen arbeiten und alles nach Plan läuft. In der vergangenen Woche mussten die neuen Blöcke BoA 2/3 kurzfristig vom Netz genommen werden. Foto: S. Büntig

Für Aufsehen sorgte der Ausfall der beiden Blöcke dennoch. Erst vor drei Wochen war das hochmoderne Kraftwerk offiziell eröffnet worden — mit zahlreichen prominenten Gästen wie zum Beispiel Bundesumweltminister Peter Altmaier und Ministerpräsidentin Hannelore Kraft. RWE-Chef Peter Terium erklärte, Grevenbroich sei mit der BoA 2/3 zum "Energiezentrum von NRW" geworden. Die "Financial Times Deutschland" bezeichnete den Ausfall der Blöcke jetzt als "Patzer im RWE-Vorzeigekraftwerk". Zudem hieß es: "Dadurch verdüstern sich die Hoffnungen des Konzerns für die Zeit nach dem Atomausstieg." Das Braunkohlekraftwerk gilt mit Blick auf die Energiewende als wichtiger Baustein, weil es flexibel Strom produzieren kann. Jeder Block kann innerhalb von 15 Minuten seine Leistung um mehr als 500 Megawatt verändern. Wenn Flaute herrscht, kann das Kraftwerk innerhalb von kurzer Zeit die Leistung von 400 Windkraftanlagen ersetzen.

Manfred Lang verweist darauf, dass der jetzige Ausfall nicht außergewöhnlich sei. Deshalb habe man ihn auch entspannt aufgenommen. Dass es sich ausgerechnet um die neuen Blöcke handelt, lässt er nicht gelten. "Auch ein neues Auto macht hin und wieder Probleme."

(NGZ)