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Das Mega-Projekt: BoA kurz vor dem Start

Das Mega-Projekt : BoA kurz vor dem Start

Das Mega-Projekt am Grevenbroicher Stadtrand geht seinem Ende entgegen: In diesem Jahr wird Europas größte Kraftwerksbaustelle abgeschlossen. Die beiden BoA-Blöcke "Friedrich" und "Gustav" gehen ans Netz.

Vor knapp fünfeinhalb Jahren kurvte Baustellenleiter Manfred Hensel (56) noch mit dem Geländewagen über ein brach liegendes Areal, so groß wie 67 Fußballfelder. Heute steht dort ein riesiges Kraftwerk, höher als der Kölner Dom. Für 2,2 Milliarden Euro hat RWE Power in Neurath die BoA II/III aus dem Boden gestampft, zu Spitzenzeiten waren dort mehr als 3000 Menschen gleichzeitig am Werk. Jetzt laufen die letzten Vorbereitungen für die Inbetriebnahme.

"Wir haben hier in den vergangenen Jahren etwa 90 000 Tonnen Gebäudestahl verarbeitet", erklärt Hensel und meint: "Der Eiffelturm, das Wahrzeichen der Weltstadt Paris, bringt es gerade einmal auf 7300 Tonnen." Nicht die einzige Zahl der Superlative, die der Chef der Baustelle präsentieren kann. Die beiden 170 Meter hohen Kühltürme haben einiges von den 380 000 Tonnen Beton "geschluckt", die insgesamt in den Blöcken verarbeitet wurden. Es wurden Stromleitungen mit einer Länge von 2500 Kilometern verlegt, die hintereinander gereiht von Neurath bis Moskau reichen würden. Und: Der Kohle-Schlitzbunker hat mit einer Länge von 310 Metern und einer Tiefe von 23 Metern geradezu gigantische Ausmaße. "Er bietet Platz für 50 000 Tonnen Braunkohle — dieser Vorrat reicht für 30 Stunden", sagt Manfred Hensel.

Nachdem in den vergangenen Wochen die letzten Kräne auf der Baustelle demontiert wurden, hat die Testphase begonnen. Zurzeit muss Kessel "Gustav" beweisen, dass er den enormen Anforderungen für einen Leistungsbetrieb gewachsen ist. Dafür wird nun Wasser in die insgesamt 900 Kilometer langen Heizrohre gefüllt, langsam erwärmt und verdampft. Für die Versorgung der Turbine mit der nötigen Energie, muss "Gustav" künftig bei Volllast 2870 Tonnen Dampf pro Stunde mit einer Temperatur von 600 Grad Celsius erzeugen.

Läuft alles nach Plan, soll Block "Gustav" in diesem Sommer ans Netz gehen, sein Zwilling "Friedrich" folgt dann zum Jahresende. Die beiden Blöcke werden die Stromversorgung von rund zehn Millionen Menschen sicherstellen — statistisch ein Achtel der deutschen Bevölkerung. Der technische Fortschritt der neuen Blöcke soll sich vor allem in einer höheren Effizienz zeigen, durch die weniger Kohle verbraucht wird und deshalb weniger Schadstoffe ausgestoßen werden. Die BoA-Blöcke sollen einen Wirkungsgrad von mehr als 43 Prozent haben. Das bedeutet, dass fast die Hälfte der bei der Verbrennung erzeugten Energie in Strom umgewandelt wird, der Rest geht etwa durch Wärme verloren. Zum Vergleich: Die älteren Blöcke von RWE in Frimmersdorf, die als Ausgleich für die neuen Anlagen stillgelegt werden, erreichen nur 31 Prozent.

(NGZ)