Grevenbroich: Blockflöte - Folterinstrument oder Zauberstab?

Grevenbroich: Blockflöte - Folterinstrument oder Zauberstab?

Sie gilt als Einsteigerinstrument für die Jüngsten. Und die manchmal schiefen oder unsauberen Töne sind ausschließlich in den Ohren der Omis Wohlklang: die Blockflöte. Folterwerkzeug oder Zauberstab, heute wird der "Tag der Blockflöte" gefeiert.

Vollkommen zu recht, wie Daniel Rathert findet. Der 42-Jährige entdeckte im Alter von sieben Jahren die Sopranblockflöte für sich und blieb ihr bis heute, inzwischen selbst als Lehrer an der Musikschule unterrichtend, treu. Weil sie "schnelle Erfolgserlebnisse beschert", wie der Musiker weiß, ist sie das "optimale Anfangsinstrument". Die Griffweise ist leicht und der "unmittelbare Klang schön". Dabei ist die wirklich wichtige Literatur nicht für die Sopran-, sondern für die Alt-Flöte verfasst worden. Repräsentanten dieser berühmten Notenwerke sind der Niederländer Franz Brüggen und sein deutscher Kollege Hans-Martin Linde. Allerdings sind sie inzwischen (verstorbene) Altmeister ihres Fachs und vielleicht auch deshalb, weil es keine modernen Zugpferde wie David Garrett an der Geige gibt, scheint das Interesse an der Flöte nachzulassen.

Ruth Braun-Sauerwein, Chefin der Musikschule in Grevenbroich, kennt die aktuellen Zahlen: "An unserer Musikschule werden insgesamt 144 Kinder und Jugendliche im Fach Blockflöte unterrichtet. Davon sind 26 männlich, 118 weiblich, davon 59 im Alter von sechs bis neun Jahren, 70 im Alter von zehn bis vierzehn Jahren, 13 im Alter von 15 bis 18 Jahren und zwei Erwachsene." Milan Thür zum Beispiel spielt seit sechs Jahren Blockflöte. "Zunächst dachte ich, sie sei ein Übergangsinstrument", erinnert sich der inzwischen 14-Jährige. Inzwischen ist er restlos begeistert. Flöte sei schließlich nicht gleich Flöte. Variabel sei sie einsetzbar, und vor allem die zu ihrer Hochzeit komponierten Werke seien ebenso schön wie ergreifend. "Ein vollkommen unterschätztes Instrument", wie Mitschülerin Anna Brönlund beipflichtet.

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