Upcycling in Grevenbroich: Biertempel wird fit für Zukunft gemacht

Upcycling in Grevenbroich : Biertempel wird fit für Zukunft gemacht

Der hölzerne Unterstand im Bend war ein Zankapfel und sollte sogar abgerissen werden. Nun ist seine Zukunft gesichert. Rost und alte Kronkorken werden entfernt, das Holz ausgebessert – und anschließend wird er neu gestaltet.

Irgendwann einmal als hölzerner Unterstand inmitten des Waldes platziert, avancierte die Hütte zum Treffpunkt für Feierfreudige und hört seitdem auf den Namen „Biertempel“. Schwer in die Jahre gekommen, teilweise verrostet und an den Seiten marode, avancierte die hölzerne Hütte zum Dauerstreitpunkt: Nicht nur, weil Vandalen immer wieder Tisch und Bänke zerstörten, sondern Wildmüller gleich großtütenweise ihren Dreck herumliegen ließen, wurde überlegt, den „Biertempel“ abzureißen.

„Das Thema ist entschieden“, erklärte Bürgermeister Klaus Krützen. „Der Biertempel bleibt.“ Inspiriert von dem bürgerschaftlichen Engagement der selbst ernannten Müllsammler um Claudia Middeldorf sowie deren kreative Idee, Kronkorken kunstvoll auszuarbeiten, um damit den Holzunterstand ansehnlich und fit für die Zukunft zu machen, nahm der Verwaltungschef jetzt das Heft selbst in die Hand.

Zusammen mit Mitarbeitern wie Ira Leifgen, Stephan Renner oder Sascha Voigt wurden einige Werkzeugkisten und Arbeitshandschuhe in die Nähe der Erft geschleppt, um im ersten Schritt die alten, unansehnlichen Kronkorken von den Wänden zu entfernen. „Da sind teilweise Deckel von Marken dabei, die es schon lange nicht mehr gibt“, amüsierte sich Rathaussprecher Renner. „Wir haben eine spezielle Hebeltechnik mit dem Schraubenzieher entwickelt, um die mit Nägeln im Holz befestigten Kapseln zu entfernen“, beschrieb der Verwaltungschef praktische Maßnahmen. Die ausrangierten Kronkorken wurden in Boxen gesammelt, um entsprechend entsorgt zu werden. Weil aber die Mitarbeiter-Crew des Verwaltungschefs nicht an einem Tag alles schaffte, werden in der kommenden Woche die Bundesfreiwilligendienstler des Schneckenhauses das Werk vollenden.

„Unser Ziel ist, alles vorzubereiten, dass dann Claudia Middeldorf und die Kronkorken-Künstler beginnen können“, skizzerte Klaus Krützen den Zeitplan. Dazu gehört die komplette Freilegung des Holzes, damit es anschließend an den kaputten Stellen ersetzt und an maroden Stellen wieder ertüchtigt werden kann. Im Gespräch seien die Mitarbeiter der Verwaltung auch mit der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald. „Es soll nun nicht daran scheitern, Tisch und Bänke zu ersetzen“, sagt Klaus Krützen.

Mitte September wollen die Kronkorken-Gestalterinnen damit beginnen, die von ihnen so variantenreich bemalten Kapseln anzubringen. „Vielleicht nicht mit Nägeln, da würden die Werke ja leiden, sondern per Heißluftkleber“, schlägt Krützen vor. Unermüdlich wurden zunächst derlei Verschlüsse gesammelt, um sie anschließend in gemeinsamen Sitzungen oder solistischer Heimarbeit mal mit Smiley, mal mit Friedenszeichen, mit internationalen Flaggen oder fantasievollen Ausschmückungen mit wetterfester Farbe anzupinseln.

„Wir hoffen, dass dadurch auch eine andere Art der Identifizierung mit dem Biertempel stattfindet“, sagt Claudia Middeldorf. „Schließlich haben viele Bürger mitgestaltet und wollen doch sicher „ihre Kunst“ erhalten“. Auch Klaus Krützen appelliert an die dort Rastenden, künftig ihren Müll mitzunehmen und den Biertempel pfleglich zu behandeln. Claudia Middeldorf will den Neuanfang übrigens gerne auch per Neunamensgebung: „Zur Umbenennung nehmen wir Vorschläge entgegen.“