1. NRW
  2. Städte
  3. Grevenbroich

Grevenbroich: Bestnoten für Dreck-Bahnhof

Grevenbroich : Bestnoten für Dreck-Bahnhof

Das verwundert Gustorfer: Seit Jahren gibt's Klagen über den Bahnhof im Ort – doch im Stationsbericht des Verkehrsverbundes erhält die Station die Bestnote. Am Grevenbroicher Bahnhof werden dagegen Graffiti kritisiert.

Das verwundert Gustorfer: Seit Jahren gibt's Klagen über den Bahnhof im Ort — doch im Stationsbericht des Verkehrsverbundes erhält die Station die Bestnote. Am Grevenbroicher Bahnhof werden dagegen Graffiti kritisiert.

Trostlos sieht's aus: Das stillgelegte Gleis vor dem Bahnsteig ist voller Müll. Eine große Scheibe in der Fahrrad-Abstellanlage fehlt, die Bänke für Wartende am Gustorfer Bahnhof machen einen vergammelten Eindruck. Doch wer den Stationsbericht 2011 des Verkehrsverbundes Rhein-Ruhr (VRR) studiert, der erhält den Eindruck, dass der Haltepunkt ein Musterbeispiel für Sauberkeit ist. Der Bahnhof bekommt die Bestnote: Die grüne Ampel steht für: "akzeptabel — keine Verbesserungen notwendig".

Bei Hubert Rütten (65) stößt das auf pures Unverständnis: "Der VRR muss ein anderes Gustorf meinen, bei uns liegt jede Menge Dreck auf den Schienen. Das ist ein Western-Bahnhof", sagt der UWG-Politiker, der jahrelang regelmäßig mit der Bahn gefahren ist. "Die Bewertung ist absoluter Unsinn."

Rund 300 Bahnhöfe im Verbundgebiet, darunter vier in Grevenbroich, nimmt der VRR jedes Jahr unter die Lupe. "Die Profi-Tester besichtigen jeden Bahnhof viermal", erklärt VRR-Sprecher Johannes Bachteler. Am Ende werden grüne, gelbe ("noch akzeptabel") und rote Ampeln ("nicht akzeptabel") verteilt. Geprüft werden Sauberkeit, Graffiti und Funktion am Bahnhofszugang und auf dem Bahnsteig, außerdem gibt es eine Ampel für die Gesamtwertung.

Auf "gelb" verbessert hat sich laut VRR der Zustand in den Bahnhöfen Grevenbroich und Frimmersorf, 2010 hatten sie "rot" gesehen, die schlechteste Note. Größter Kritikpunkt sind Graffiti: "Eine damit verschmutzte Station wirkt ungepflegt. Darunter leidet das subjektive Sicherheitsempfinden des Fahrgastes", erklärt VRR-Sprecher Johannes Bachteler. Die Bahn hat 2010 eine Anti-Graffiti-Aktion in den Bahnhöfen gestartet. Gut ("grün") schneidet dagegen der Kapellener Bahnhof ab. Zur Beurteilung in Gustorf sagt Bachteler: "Es kann natürlich sein, dass ein Tester eine Station besichtigt, kurz nachdem die Putzkolonne da war." Außerdem erklärt er: "Bewertet wird, ob Einrichtungen intakt sind — nicht aber, welche Ausstattung es gibt. Darauf haben wir nur mittelbar Einfluss. Die Bahnhöfe gehören DB Station und Service. Für Verbesserungen bei der Ausstattung muss der Anstoß von der DB oder der Kommune kommen. Insgesamt hat sich laut VRR der Zustand der Stationen verbessert, einiges liege aber "noch im Argen".

Für Gustorf ist die Stadt längst aktiv geworden: "Ein Vorzeigebahnhof ist das nicht", sagt Rathaussprecher Andreas Sterken. Die Stadt führt mit der DB Gespräche, um den Zugang zu verbessern. Vor dem Bahnhof ist der neue Park-and-Ride-Platz fertig, doch auf dem Weg zum Bahnsteig müssen Fahrgäste auf einem Gitterrost ein stillgelegtes Gleis queren. "Das ist eine Stolperfalle", kritisiert Rütten. Zudem gebe es keine barrierefreie Einstiegsmöglichkeit in den Zug.

(NGZ/jco)