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Grevenbroich: Beigeordnete Kamp verzweifelt am Rat

Grevenbroich : Beigeordnete Kamp verzweifelt am Rat

Die Beigeordnete Barbara Kamp zweifelt daran, dass sie das Vertrauen des Stadtrates genießt. Sie hat der Bürgermeisterin erklärt, dass sie einem Abwahlverfahren nicht entgegenstehen würde. Die Fraktionen diskutieren.

Die Diskussion um den Verzicht auf eine Spitzen-Stelle im Rathaus brachte das Fass wohl zum Überlaufen. Die städtische Beigeordnete Barbara Kamp (53) zweifelt stark daran, dass der Stadtrat noch hinter ihr steht. "Das ist meine Sicht der Dinge", sagte die Meerbuscher Juristin am Freitag gegenüber der NGZ. In diesem Zusammenhang habe Kamp gegenüber der Bürgermeisterin erklärt, dass sie einem Abwahlverfahren nicht entgegen stehen würde.

Ursula Kwasny hat die Ratsfraktionen über die Äußerungen der Beigeordneten bereits in der Vorwoche informiert. Seitdem wird hinter den politischen Kulissen kontrovers diskutiert. Auf Verständnis trifft die FDP-Frau Barbara Kamp in ihren eigenen Reihen: "Für vieles, was in der Stadt angeblich schief geht, wird sie pauschal verantwortlich gemacht", argumentiert Fraktionsvorsitzender Manfred Hermanns: "Ich kann daher gut nachvollziehen, dass sie vermutet, der Rat würde nicht mehr hinter ihr stehen. Unser Vertrauen hat sie – wir werden es ihr auf keinen Fall entziehen."

In die Schlagzeilen geriet Barbara Kamp vor ihrer ersten Wiederwahl im März 2008. Der damalige Bürgermeister Axel Prümm (CDU) zweifelte am Können der Meerbuscherin, er versuchte mit allen Mitteln, eine Verlängerung ihrer Amtszeit zu verhindern. Der Plan scheiterte, nicht zuletzt auch an den Stimmen aus seiner eigenen Partei – Kamp wurde für weitere acht Jahre gewählt. "Ich hatte gedacht, dass sich nach Prümm vieles ändern würde", meint Kamp heute: "Doch das war nicht der Fall, abgesehen von der FDP habe ich den Rat nicht im Rücken."

Die Ratsfraktionen versuchen nun, sich eine Meinung zu den Äußerungen der Beigeordneten zu bilden. "Wir haben in dieser Angelegenheit noch Beratungsbedarf", erklärt CDU-Fraktionsvorsitzender Norbert Gand. Seine persönliche Meinung: "Es liegt kein Verstoß vor, der eine Abwahl rechtfertigen könnte. Mir ist kein Grund ersichtlich, warum die Parteien initiativ werden sollten."

Auch die SPD will sich intern, aber auch mit anderen Ratsfraktionen zum Fall Barbara Kamp beraten: "Das ist eine völlig atypische, aus meiner Sicht abenteuerliche Situation", betonte Fraktionsvorsitzender Horst Gerbrand; "Aus der Gemeindeordnung ist mir eigentlich nur der Fall bekannt, dass der Rat das Vertrauen in eine Person verliert. Hier ist es offensichtlich umgekehrt. "

Gegenüber der NGZ stellte Barbara Kamp klar, dass sie keinesfalls darum gebeten habe, vorzeitig aus dem Amt ausscheiden zu dürfen, wie es manche Politiker vermuten. "Bei einem Rückblick auf meine Amtszeit habe ich lediglich meiner Einschätzung einen Ausdruck verliehen", so die 53-Jährige. Sie stehe aber "weiterhin zur Verfügung".

(NGZ)