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Grevenbroich: "Bei uns wird Leistung vergütet"

Grevenbroich : "Bei uns wird Leistung vergütet"

Fritz Hollweg (55), Geschäftsführer des Sanitär- und Heizungs-Großhandels Gottschall und Sohn, zur Vereinbarkeit von Glauben und Gewinn, zu Grevenbroich und seinen Plänen für die Zukunft.

Herr Hollweg, auf Ihrer Visitenkarte nennen Sie sich salopp "Klo-Verkäufer". Ziemlich umgangssprachlich für den Geschäftsführer eines 300-Mitarbeiter-Unternehmens.

Fritz Hollweg Eigentlich müsste "Diplom-Kaufmann und persönlich haftender Gesellschafter" darauf stehen, das ist richtig. Aber in meinem Beruf habe ich es mit ehrlichen Handwerkern als Kunden zu tun. Da kommen Sie mit einer bodenständigen Ansprache einfach weiter als mit hochtrabenden Ausdrücken.

Ein Erfolgsrezept für Ihren Wachstumskurs?

Hollweg Ich versuche, jedem auf Augenhöhe zu begegnen. Nicht nur Kunden, sondern auch meinen Mitarbeitern. Im Betrieb herrschen flache Hierarchien. Wenn es Probleme gibt, sollen sie offen angesprochen werden. Menschlichkeit ist für mich ein hohes Gut.

Hemmt soziales Verhalten den unternehmerischen Erfolg?

Hollweg Ich verdiene mit meiner Firma lieber ein paar Euro weniger und bleibe dafür ein sozialer Arbeitgeber. Ich halte nichts von zwanghafter Mitarbeiter-Bindung. Mein Traum wäre es, wenn die Angestellten morgens mit den Hufen scharren, um zur Arbeit zu kommen und abends weinen, wenn Sie nach Hause gehen müssen.

Wie weit sind Sie auf diesem Weg?

Hollweg Bei uns wird Leistung vergütet. Es gibt Boni und Beteiligungsmodelle. Außerdem werden die Angestellten wertgeschätzt und erhalten ein regelmäßiges Feedback von mir oder ihren Vorgesetzten. Und die Mitarbeiter wissen soziales Verhalten seitens der Firma letztlich zu schätzen. Noch ein Beispiel: Ich habe laut offiziellem Rentenbescheid Anspruch auf 32 Euro monatlich. Diesen Schrieb habe ich meinen Angestellten gezeigt. Damit sie wissen: "Der Hollweg würde keine unüberlegten Entscheidungen treffen — schließlich hängt auch seine finanzielle Zukunft davon ab".

Inwiefern beeinflusst Ihr christlicher Glaube die tägliche Arbeit?

Hollweg 2008, als unser Neubau in Grevenbroich gerade eröffnet wurde, bin ich nach Santiago de Compostela gepilgert. Sechs Wochen lang. Ich hatte drei Anreize: Sportliche, religiöse und kulturelle. Ich glaube tatsächlich, dass ich mich in dieser Zeit verändert habe, auch wenn das abgedroschen klingt. Außerdem unterstützen wir das Kloster Langwaden. Sowohl mit Geld, als auch mit Sachleistungen.

Warum ist Ihr Unternehmen überhaupt von Düsseldorf nach Grevenbroich gewandert?

Hollweg Wir sind immer weiter gewachsen. Und auch wenn wir seit 1955 in Düsseldorf beheimatet waren — ein Neubau dort wäre für uns unbezahlbar gewesen. Grevenbroichs damaliger Bürgermeister Axel Prümm (CDU, d. Red.) hat sich sehr um uns bemüht. Außerdem fand ich den damaligen Titel Grevenbroichs, "Bundeshauptstadt der Energie" zu sein, wirklich richtig gut.

Diesen Namen hat die Stadt inzwischen mehr oder weniger abgelegt.

Hollweg Für mich völlig unverständlich. Auf Messen konnte man damit hervorragend punkten. "Grüne Stadt am Soundso" heißt doch jeder. Unser Titel war etwas Besonderes. Ich hätte mir sehr gewünscht, dass Axel Prümms Nachfolgerin, Ursula Kwasny, dieses Image übernommen und weiterhin gepflegt hätte.

Sie sind jetzt 55 Jahre alt. Wie geht es weiter?

Hollweg Ich will noch fünf Jahre aktiv im Unternehmen bleiben. Wer den Betrieb danach übernimmt, steht in den Sternen. Am liebsten wäre mir natürlich, mein Nachfolger wäre einer meiner fünf Kinder. Doch verschenken werde ich nichts: Sie müssen die Besten sein.

Und Sie selbst? Was planen Sie für die Zeit danach?

Hollweg Nicht lachen: Am Ende will ich Imker und Schäfer werden. Außerdem werde ich ein bisschen Politologie studieren. Das reicht an Zielen. Ich habe auf 60 Hektar unsere Niederlassung in Grevenbroich gebaut und kann mit Sicherheit sagen: Das war mein letzter Bau. Für einen Kloverkäufer war das nämlich ganz schön aufwendig.

André Schahidi und Christina Wagemanns führten das Gespräch.

(dhk)