Skulptur von Robert Beerscht durfte nicht ins Schloss: Bei Mittsommernacht war Hexe unerwünscht

Skulptur von Robert Beerscht durfte nicht ins Schloss : Bei Mittsommernacht war Hexe unerwünscht

Da liegt sie erstarrt. Die Augen gen Himmel gerichtet. Ihre poröse Haut ist aus Basaltlava, ihre Heimat ein Scheiterhaufen aus Felsblöcken. Die Hexe im Garten des Steinbildhauermeisters Robert Beerscht aus Münchrath hat eine eigentümliche Ausstrahlung. Die Liegende scheint gleichzeitig verletzlich und doch unverwüstlich zu sein. Ursprünglich hatte Beerscht die lebensgroße Figur für ein Mittsommernachtsfest auf Schloss Hülchrath geschaffen. Das war im vergangenen Jahr. Das Stichwort: Hexenverfolgung. Robert Beerscht hatte für das Mittsommernachtsfest auf dem Hülchrather Schloss im vergangenen Jahr eine Hexe aus Basaltlava geschaffen. Mit der Skulptur wollte er auf die Verfolgung von Frauen im Mittelalter aufmerksam machen. Doch die Hexe war bei der Veranstaltung offensichtlich unerwünscht. NGZ-Foto: M. Reuter

Da liegt sie erstarrt. Die Augen gen Himmel gerichtet. Ihre poröse Haut ist aus Basaltlava, ihre Heimat ein Scheiterhaufen aus Felsblöcken. Die Hexe im Garten des Steinbildhauermeisters Robert Beerscht aus Münchrath hat eine eigentümliche Ausstrahlung. Die Liegende scheint gleichzeitig verletzlich und doch unverwüstlich zu sein. Ursprünglich hatte Beerscht die lebensgroße Figur für ein Mittsommernachtsfest auf Schloss Hülchrath geschaffen. Das war im vergangenen Jahr. Das Stichwort: Hexenverfolgung. Robert Beerscht hatte für das Mittsommernachtsfest auf dem Hülchrather Schloss im vergangenen Jahr eine Hexe aus Basaltlava geschaffen. Mit der Skulptur wollte er auf die Verfolgung von Frauen im Mittelalter aufmerksam machen. Doch die Hexe war bei der Veranstaltung offensichtlich unerwünscht. NGZ-Foto: M. Reuter

Die Stadt Grevenbroich hatte den Künstler damals gebeten, mit einem Werk dort vertreten zu sein. "Doch Hexen sind offenbar im Schloss unerwünscht", vermutet er. Das Fest wurde gefeiert - doch ohne die steinerne Dame. Die Skulptur wurde einfach ausgegrenzt - "ohne ein Wort von Seiten der Veranstalter", die Arbeit des Künstlers ignoriert - "eine Absage hat es nie gegeben". Ob das am Thema gelegen hat, weiß der 36-Jährige nicht zu beantworten.

Passen würde es aber schon, meint er. Auf Schloss Hülchrath wurden im Mittelalter tatsächlich als Hexen denunzierte Frauen verbrannt, erzählt Beerscht den Hintergrund seines Kunstwerkes. Oft seien diese Frauen "unbequem, unkonventionell" gewesen, hätten sich "gegen die patriarchischen Strukturen aufgelehnt". Örtliche Bezüge zu den düsteren Ereignissen auf der ehemaligen Raubritterburg stellt Beerscht schon mit dem verwendeten Material her. Auch im Schloss wurde Basaltlava verarbeitet, wahrscheinlich der gleiche wie bei der Skulptur, aus einem Steinbruch in der Eifel, vermutet der Künstler.

Darüber hinaus hat das Phänomen Hexe für Beerscht auch nicht an Aktualität eingebüßt: "Noch immer leben wir in einer patriarchischen Gesellschaft", sagt er. Und wer nicht hinein passt - wie eigenwillige Frauen oder auch Künstler - würde von den Mächtigen ausgegrenzt, aus der Öffentlichkeit entfernt: "Früher tat dies die Kirche im Namen Jesu Christi", heute hätten Politiker diese Rolle übernommen. Beerschts Hexe allerdings zeigt sich gegen Feuer immun, wird wieder auferstehen und durch ihre Erscheinung anklagen.

Auf Schloss Hülchrath plante er, sie in Kreuzform anzuketten, Holzscheite und Reisig anzuhäufen und ein Feuer zu entfachen. "Eine zeitlang ist sie dann noch von Asche bedeckt, am Ende ist sie wieder sichtbar", erklärt Beerscht sein Konzept. "Die Seele kann man nicht töten", ist er überzeugt. Das bereits durch große Hitze geformte Rohmaterial unterstreiche dies. Noch immer hofft Beerscht, sein Werk eines Tages vollenden zu können, einen geeigneteren Platz als das Schloss hat er bisher aber nicht gefunden, gibt er zu.

In der Zwischenzeit liegt die Steinerne eben bei ihm im Garten und strahlt etwas Beruhigendes aus, neben ihr der gefangene "Mensch im Raum" und weitere Skulpturen. Den angrenzenden Schuppen hat sich der ehemalige Schüler von Anatol Herzfeld zum Atelier ausgebaut. Schleifhexe, Hammer, Meißel Fotos und Zeitungsausschnitte zieren dort die Wände. Mit seinen Holzschuhen watet Beerscht quirlig durch den feinen Steinstaub. Sein nächstes Projekt hat er schon im Visier. In der evangelischen Tagesstätte in Reuschenberg will er mit Kindern eine Wasserlandschaft bauen. Saskia Zeller

(NGZ)