Grevenbroich: Behinderter klagt über Bahn

Grevenbroich : Behinderter klagt über Bahn

Bei einer Zugfahrt benötigte Christoph Meyer aus Allrath dringend Medikamente, doch statt Hilfe zu bekommen, sei er von einem Bahn-Mitarbeiter "lautstark niedergemacht worden", so der Behinderte. Er hat Anzeige erstattet.

Das linke Bein zeigte Lähmungserscheinungen, Christoph Meyer war in Sorge — er kennt die Situation, hat schon vier Schlaganfälle hinter sich. Der 50 Jahre alte Allrather saß abends im Regionalexpress von Münster nach Düsseldorf, brauchte Hilfe. Doch die habe er, obwohl er den Notrufknopf betätigt habe, nicht erhalten. "Stattdessen wurde ich von einem Zugbegleiter verbal niedergemacht", schildert Christoph Meyer. "Das ist eine Sauerei, so dürfen Mitarbeiter der Bahn Fahrgäste nicht behandeln", sagt er — und hat jetzt Anzeige wegen unterlassener Hilfeleistung erstattet.

Von Geburt an ist Christoph Meyer behindert. Er ist fast blind, und nach einem Unfall vor vier Jahren ist er auf den Rollator angewiesen. Der ist auch der Grund, dass der Allrather im Fahrradabteil saß, als er die Probleme mit dem Bein bekam. "Ich habe dreimal auf den Knopf im Abteil gedrückt, mit dem man eigentlich um Hilfe beim Ein- oder Aussteigen bittet. Als nach 20 Minuten niemand kam, habe ich den Knopf für die Notruf-Anlage betätigt." Weitere zehn Minuten habe es gedauert, bis der Zugbegleiter erschienen sei. "Ich gab ihm meinen Schlaganfallpass und sagte ihm, dass ich darauf stehende Medikamente benötige", schildert Meyer. Normalerweise werde ein Notarzt gerufen werden, der ihm die Notfall-Arznei gebe.

Doch Hilfe habe er nicht erhalten: "Ein weiterer Zugbegleiter kam, und der ging mich derart lautstark an, dass die Fahrgäste nebenan sich amüsierten. Mit welcher Berechtigung ich die Klingel und den Notruf betätigt hätte, fragte er, und ob er die Polizei benachrichtigen solle, um mich anzuzeigen." Schließlich habe der Zugbegleiter erklärt, "ich müsse vielleicht mit einer Rechnung über mindestens 6000 Euro Schadensersatz rechnen". In Düsseldorf stieg Meyer aus, "ich zog das linke Bein hinterher". In einer Apotheke am Bahnhof habe er die Arznei besorgt. Der letzte Zug nach Grevenbroich war weg, nach einem Umweg über Köln kam er endlich in Allrath an.

Meyer, der sich für die Anliegen behinderter Menschen engagiert, beließ es nicht bei dem Erlebnis im Zug. Er wandte sich an die Deutsche Bahn. In den drei Tagen darauf sei lediglich eine Eingangsbestätigung des Serviceteams des Unternehmens eingegangen — der Allrather ging zur Polizei. Und was sagt die DB? "Natürlich müssen Fahrgäste von Mitarbeitern freundlich behandelt werden. Und wenn jemand Hilfe braucht, wird der Notarzt gerufen", erklärt ein Sprecher in Düsseldorf. "Zum vorliegenden Fall können wir keine Stellungnahme abgeben, es handelt sich um ein schwebendes Verfahren."

(NGZ)