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Grevenbroich: Behinderte kämpfen für Bad

Grevenbroich : Behinderte kämpfen für Bad

Am Mittwoch fällt die Entscheidung über die Zukunft des Neukirchener Bads. Neben Eltern, Senioren und anderen Schwimmern hoffen auch Behinderte der WfB. Schließt das Bad, müssten sie auf Schwimmstunden verzichten.

Sie freuen sich jede Woche auf den Termin — noch. Viele Frauen und Männer der Werkstatt für Behinderte in Hemmerden gehen im Neukirchener Hallenbad schwimmen. "Von einer Schließung des Bades wären wir stark betroffen", betont WfB-Geschäftsführer Wilfried Moll.

Der TV Jahn Kapellen plant, das Bad Ende September zu schließen. Der Grund: 25 000 Euro fehlen. Gespräche mit der Stadt laufen, bisher allerdings ohne Ergebnis. Auch Besucher unterschiedlicher Kurse — etwa Eltern von Schwimmanfängern oder Senioren — wurden bereits aktiv. Sie haben über 300 Unterschriften gesammelt und diese an Vereins-Chef Winfried Schmitt und Bürgermeisterin Ursula Kwasny übergeben (die NGZ berichtete).

Gespräch bei Bürgermeisterin

Am Mittwoch könnte die Entscheidung darüber fallen, ob in der Schwimmstätte bald die letzten Schwimmzüge getan werden: Am Vormittag empfängt die Verwaltungschefin Vertreter aus Politik und vom TV Jahn im Rathaus. "Ich versuche, eine positive Lösung zu finden", ließ Kwasny gestern gegenüber der NGZ erklären.

"Wir wünschen uns, dass das Bad erhalten bleibt", meint auch Wilfried Moll von der WfB, der die gute Zusammenarbeit mit dem TV betont. "Unsere beiden Sportlehrerinnen bieten unseren behinderten Beschäftigten drei Schwimmkurse, an denen sich 60 Menschen beteiligen." Schwimmen sei für sie eine ideale Sportart, sorge für Entspannung: "Sie müssen im Wasser wenig Kraft aufbringen, um sich zu bewegen. Und sie haben dabei unheimlich viel Spaß", so Moll.

Barrierefreiheit, gute Wasserqualität, zahlreiche Angebote — das sind die Vorteile, die viele Schwimmer im Neukirchener Bad schätzen. Nicht nur aus Grevenbroich, sondern auch aus Neuss und anderen Kommunen des Rhein-Kreises kommen die Badegäste. Gerade für Behinderte biete die Schwimmstätte an der Viehstraße ebenfalls zahlreiche Vorteile: "Wir nutzen für die Kurse auch das Bad der Mosaikschule in Hemmerden. Aber meistens schwimmen wir, wenn Unterricht ist. Wir können deshalb längst nicht so oft hinein, wie wir möchten", erklärt der WfB-Geschäftsführer. Moll schätzt die Ausstattung des Bads: "Das Wasser ist wärmer als in anderen Bädern. Zudem ist das Schwimmbecken nicht so tief und es gibt keine Treppen."

Die Suche nach Ausweichmöglichkeiten sei schwierig: "Wenn das Hallenbad geschlossen wäre, würde der Nachfragedruck auf die anderen Bäder steigern. Und wir kommen nicht überall morgens hinein", so Moll. "In diesem Fall müssten wir unser Schwimmangebot einstellen." Doch er hofft auf eine Zukunft für das Bad: "Für unsere behinderten Menschen wäre das sonst ein Verlust von Lebensqualität."

(NGZ)