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Grevenbroich: Beamte sollen Schreibtisch teilen

Grevenbroich : Beamte sollen Schreibtisch teilen

Die FDP schlägt vor, im Rathaus ein Desksharing-System einzuführen. Die Mitarbeiter könnten ihren Arbeitsplatz jeden Tag neu wählen und Schreibtische von Kollegen, die frei haben, nutzen. Das Ziel: Platz und Geld sparen.

Der Vorstoß klingt ungewöhnlich. Die FDP fordert, im Rathaus ein sogenanntes Desksharing-System einzuführen. Das ist ein Ergebnis der Haushaltsberatungen der Liberalen. FDP-Chef Markus Schumacher ist überzeugt, dass die Verwaltung mit einem solchen System Geld sparen könne.

"Es wäre eine gute Alternative zu extern angemieteten Büros", sagt Schumacher. Im vergangenen Jahr hatte die Verwaltung für acht Mitarbeiter des Jugendamtes Büros in einem Gebäude Am Markt 11 angemietet. Die Liberalen sind überzeugt: Mit einem Desksharing-System wäre das nicht nötig gewesen.

Das Desksharing-System sieht eine Entkopplung von Mitarbeiter und Arbeitsplatz vor. In der Praxis bedeutet das: Die Organisationsform, nach der jeder Beschäftigte einen eigenen Schreibtisch hat, entfällt. Stattdessen suchen sich die Mitarbeiter jeden Tag einen freien Schreibtisch — denn viele bleiben unbenutzt. "Studien zufolge sind nur etwa 70 Prozent der Beschäftigten wirklich am Arbeitsplatz. Der Rest hat entweder Urlaub, ist nur in Teilzeit beschäftigt oder fällt wegen Krankheit aus", sagt Schumacher. Statt Leerstand ließen sich die freien Arbeitsplätze nutzen. Die Konsequenz: Die Verwaltung bräuchte deutlich weniger Büroflächen — und müsste keine Räume extern anmieten. Das würde Geld sparen.

Markus Schumacher und FDP-Fraktionschef Manfred Hermanns sind sich jedoch bewusst, dass sich das System nicht auf alle Bereiche anwenden lasse. "Dort, wo Publikumsverkehr herrscht, wird es zum Beispiel schwierig. Die Bürger sollen wissen, wo sie ihren festen Ansprechpartner finden", sagt Manfred Hermanns. Auch sei zu berücksichtigen, dass Menschen mit Behinderung auf einen festen Arbeitsplatz angewiesen sein können oder Rücksicht auf Allergiker genommen werden müsse, falls diese zum Beispiel nicht in einem Raum mit Teppichboden arbeiten können.

Bürgermeisterin Ursula Kwasny hatte erst vor wenigen Monaten betont, dass es im Rathaus zu eng geworden sei. 350 Mitarbeiter sind dort beschäftigt, manche Büros seien überbelegt. "Aus arbeits- und datenschutzrechtlicher Sicht ist die Raumbelegung in einigen Bereichen bereits zum Problem geworden", hatte Kwasny gesagt.

An diesem Punkt setzt der Vorschlag der Liberalen an. Durch das Desksharing lasse sich der vorhandene Platz besser nutzen. Unternehmen aus der IT-Branche setzen dies bereits um. Ihre persönlichen Arbeitsutensilien verstauen Mitarbeiter dort in einem Rollcontainer, der über Nacht in einer Art Garagenraum gelagert wird. Die FDP fordert die Verwaltung auf, die Möglichkeit der Einführung eines Desksharings zu prüfen.

(NGZ/rl)