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Grevenbroich: Bauskandal - Spur führt nach Krefeld

Grevenbroich : Bauskandal - Spur führt nach Krefeld

Die Staatsanwaltschaft Mönchengladbach ermittelt jetzt auch gegen die Firma MAV im Krefelder Hafen. Sie soll das Bauunternehmen, das in Kapellen mit Schwermetallen belastetes Material verbaut haben soll, beliefert haben.

Der Bauskandal am Niederrhein, der offenbar in Grevenbroich ins Rollen kam, zieht größere Kreise. Inzwischen könnten 18 Städte und Gemeinden aus den Kreisen Heinsberg, Viersen und Neuss sowie in Mönchengladbach betroffen ein. Eine Spur führt nach Krefeld. Gegen die dort ansässige Mineralstoff-Aufbereitungs und -Verwertungs GmbH (MAV) wird von der Schwerpunktstaatsanwaltschaft in Mönchengladbach jetzt ermittelt, bestätigte deren Sprecher Lothar Gathen.

Die Bauunternehmung Tholen aus Geilenkirchen, die in den zurückliegenden Jahren im Auftrag der öffentlichen Hand offenbar mit Schwermetallen wie Blei und Cadmium sowie Arsen belastetes Material als Untergrund für Pflasterflächen verwendet haben soll, weist in dem Ermittlungsverfahren wegen des Verdachts des Betrugs und diverser Umweltdelikte jede Schuld von sich und bringt das Krefelder Unternehmen an der Bataverstraße als Lieferanten der offenbar für den Bau von Straßen, Gehwegen und Parkplätzen ungeeigneten Materialien ins Spiel.

MAV ist ein Gemeinschaftsunternehmen der Strabag AG und der Remex Mineralstoff GmbH. Sie entsorgt und recycelt vor allem Schlacken und Aschen aus der Müllverbrennung und aus Kraftwerken. Hinzu kommen nach eigenen Angaben Reststoffe und Stäube aus der Metall-, Hütten- und Grundstoffindustrie sowie teerhaltiger Straßenaufbruch. MAV bestätigt, dass sie der Firma Tholen "Bettungssand verkauft hat". Das Material sei von Tholen in Krefeld abgeholt und auf deren Betriebsgelände gebracht worden. "In welchen Baumaßnahmen das Material von Tholen eingesetzt werden sollte, war uns seinerzeit nicht bekannt", erklärte MAV-Geschäftsführer Andreas Bechmann auf Anfrage unserer Zeitung. Für die Einhaltung der gesetzlichen Vorgaben und den ordnungsgemäßen Einbau sei in jedem Fall das abnehmende Bauunternehmen verantwortlich, fügte er hinzu. Das Material sei in dem entsprechenden Datenblatt unzweideutig als Schlackengranulat benannt.

Ins Rollen kam der Skandal im November 2011 in Grevenbroich, als einem Bediensteten das belastete Material aufgefallen war. Eine chemische Analyse ergab, dass es hohe Werte an Blei, Kupfer und Zink enthielt. Es folgten weitere Untersuchungen, die das Resultat an mehreren Stellen bestätigten. Mittlerweile läuft der Austausch des betroffenen Bettungsmaterials. Die für die Stadt tätige Deutsche Stadt- und Entwicklungsgesellschaft (DSK) klagt gegen Tholen auf Erstattung von 600 000 Euro.

Sowohl Tholen als auch der MAV drohen vor den Zivilgerichten im schlimmsten Fall Zahlungen in Millionenhöhe. Eine strafrechtliche Bewertung der Staatsanwaltschaft Mönchengladbach ist derzeit noch nicht in Aussicht. Die Aufarbeitung des Umweltskandals kann dauern. Alleine in Mönchengladbach gibt es Berge von Schriftverkehr im Streitverfahren mit Tholen. Bei der Stadt war die Bauunternehmung schon 2004 negativ aufgefallen, weil sie beim Ausbau der Hindenburgstraße ungeeignetes Bettungsmaterial für Pflaster geliefert hatte. Damals war dies rechtzeitig aufgefallen und das Material als ungeeignet zurückgewiesen worden.

Tholen versteht die ganze Aufregung nicht. Er fühlt sich vor allem aus Grevenbroich mit "haltlosen Vorwürfen" zu Unrecht an den Pranger gestellt. Das verwendete Material entspreche den Technischen Lieferbedingungen für Gesteinskörnungen im Straßenbau TL-Gestein StB 04.

Hier geht es zur Stellungsnahme von MAV.

(NGZ)