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Grevenbroich: Bau-Skandal: Firma entlastet?

Grevenbroich : Bau-Skandal: Firma entlastet?

Die Straßensanierung im Kapellener Neubaugebiet verzögert sich möglicherweise. Auch andere Kommunen prüfen derzeit Straßen, die von der Baufirma Tholen angelegt wurden, auf eine mögliche Schwermetall-Belastung.

Mitte Oktober sollen die Straßen im Kapellener Neubaugebiet saniert werden. Ob der Projektentwickler DSK diesen Zeitplan einhalten kann, ist offen — zumindest gibt es momentan keinen exakten Termin für den Baustart. "Nach Informationen, die wir von der DSK erhalten haben, müssen derzeit noch Fristen eingehalten werden. Diese wurden der Firma Tholen eingeräumt, um den Rückbau des schadstoffhaltigen Materials unter dem Straßenpflaster vorzunehmen", sagt Planungsdezernent Werner Hoffmann.

Die Straßen in Kapellen sollen im Oktober saniert werden. Foto: Hammer

Ob sich damit die Sanierung verzögert, ist ungewiss. Die Stadt verweist in dieser Frage auf den Projektentwickler, doch der zuständige Sachbearbeiter der DSK befindet sich in Urlaub. Auf NGZ-Anfrage teilt die Firma Tholen jedoch mit: "Uns ist nicht bekannt, dass der Auftraggeber im Oktober den Rückbau des Bettungsmaterials veranlasst, außer einer Aufforderung zum Tätigwerden haben wir nichts dazu vernommen." Darüber hinaus weist Tholen darauf hin: "Die von uns veranlasste Beweissicherung für Kapellen hat im ersten Teil ergeben, dass das dort eingesetzte Material richtlinienkonform ist."

Laut Tholen seien für den verwendeten Bettungsstoff die am 2. Februar 2005 vom Bundesverkehrsministerium verfügten technischen Lieferbedingungen für Gesteinskörnungen im Straßenbau maßgeblich. Die Behörde beziehungsweise DSK habe nach der falschen Vorschrift eine Überprüfung und Beurteilung vorgenommen. "Dieses stellen mehrere Gutachter, darunter auch das gerichtliche Gutachten, eindeutig fest", so Tholen.

Unterdessen ist die Baufirma auch in anderen Kommunen ins Visier geraten. In Wegberg zum Beispiel wartet der Technische Beigeordnete Rudolf Fabry auf die Auswertung einer Probenanalyse durch die Untere Wasserbehörde. "Das Ergebnis soll in den nächsten Wochen vorliegen", sagt er. Untersucht wurde Recyclingmaterial, das als Unterfütterung für Straßen in zwei Wohngebieten verwendet wurde. "Pro Wohngebiet geht es um eine Fläche von 3000 bis 5000 Quadratmeter", erklärt Fabry.

Wegberg ist eine von sieben Kommunen im Kreis Heinsberg, in denen Baumaßnahmen genau unter die Lupe genommen werden. Das erklärt Ulrich Hollwitz, Pressesprecher des Kreises Heinsberg. "Derzeit prüfen wir auch vor dem Hintergrund einer möglichen Verjährung, ob wir für drei Liegenschaften ein gerichtliches Beweissicherungsverfahren einleiten", sagt Hollwitz. "Noch läuft allerdings der Prozess der Auswertung. Kommunen und Kreis sind im Gespräch."

In Hückelhoven zum Beispiel bereitet die Parkhofstraße den Stadtoberen Sorgen. Auf der in der Innenstadt gelegenen Einkaufsstraße wurden 2010 ähnliche Maßnahmen wie in Kapellen durchgeführt. In Heinsberg soll geklärt werden, ob bei der Dorfkernerneuerung im Stadtteil Dremmen mit einem zu hohen Giftstoffanteil versehenes Material verbaut wurde.

Die Firma Tholen erklärt allerdings, dass die im Kreis Heinsberg "festgestellten Werte nach den von uns zitierten Vorschriften (...) alle im zulässigen Bereich" lägen.

(NGZ/url)