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Grevenbroich: Bankräuber in Brüssel gefasst

Grevenbroich : Bankräuber in Brüssel gefasst

Erst eine Bank ausrauben, dann Urlaub in Afrika machen – doch an der Grenze war die Flucht des Commerzbank-Räubers zu Ende. Der 47-Jährige aus Grevenbroich sitzt jetzt in U-Haft, aber er schweigt zu seinen Motiven.

Erst eine Bank ausrauben, dann Urlaub in Afrika machen — doch an der Grenze war die Flucht des Commerzbank-Räubers zu Ende. Der 47-Jährige aus Grevenbroich sitzt jetzt in U-Haft, aber er schweigt zu seinen Motiven.

Diese Bank an der Karl-Oberbach-Straße wurde am 26. Juni ausgeraubt. Der Täter radelte mit seiner Beute davon; die Polizei fahndete zunächst vergebens. Foto: Staniek, Dieter

Gerade entspannt aus dem Urlaub unter afrikanischer Sonne zurückgekehrt, gut ausgestattet mit der Beute aus dem Überfall auf die Grevenbroicher Commerzbank, schien das Leben für den 47-Jährigen richtig gut zu laufen. Doch am Flughafen in Brüssel endete der Traum — mit einem internationalen Haftbefehl. Jetzt heißt es für den Grevenbroicher: U-Haft statt Urlaub. Warum er am 26. Juni überhaupt zum Bankräuber wurde, darüber schweigt der Mann. "Die Vernehmungen haben gerade erst begonnen", so Polizei-Sprecher Hans-Willi Arnold.

Es war einer der spektakulärsten Überfälle auf ein Geldinstitut in Grevenbroich: Am Mittag des 26. Juni hatte der dunkelhäutige, maskierte Mann die Filiale der Commerzbank an der Karl-Oberbach-Straße überfallen. Mit vorgehaltener Waffe hatte er Geld gefordert und nach Angaben der Polizei "mehrere Tausend Euro" erbeutet. Auf einem Mountainbike flüchtete der Mann aus der Innenstadt über die Erftbrücke in Richtung Erft. Die Polizei startete sofort die Fahndung; auch ein Hubschrauber kreiste über der City — doch der Bankräuber blieb verschwunden.

Auf Mountainbike entkommen

Jetzt startete die Polizei ihre Ermittlungen: Sie befragte Zeugen, um etwas über die Identität des Flüchtigen zu erfahren. Deren Aussagen und laut Hans Willi Arnold auch "Hinweise aus der Bevölkerung" waren es, die zunächst zu einem Verdacht führten — ein Verdacht, der nach der Durchsuchung einer Wohnung in der Innenstadt am 29. Juni schnell zur Gewissheit wurde.

Denn dort fanden die Fahnder Beweismittel, die den Verdacht gegen den 47-Jährigen erhärteten. Er war sich seiner Sache offenbar so sicher gewesen, dass er die Kleidungsstücke, die er beim Überfall getragen hatte, nicht vernichtet hatte. Doch diese Kleidung hatten die Zeugen des Überfalls wiedererkannt. Was die Ermittler auch in der Wohnung fanden: die Kiste für ein Pistolen-Modell. Mit hoher Wahrscheinlichkeit war dies auch das Modell des Täters.

Doch der Mann selbst blieb, was er bisher schon war: unauffindbar. Zumindest so lange, bis die Polizei ermittelte, dass er kurz nach dem Überfall zu einer Afrika-Reise aufgebrochen war. Am 19. Juli kehrte der Grevenbroicher zurück, wollte über die belgische Hauptstadt Brüssel wieder in die Europäische Union einreisen. Noch am Flughafen nahmen ihn belgische Justizbeamte mit einem internationalen Haftbefehl fest.

Zum Hintergrund des Tatverdächtigen gibt es nur wenige Informationen: Der Mann soll mit seiner Familie in der Innenstadt von Grevenbroich leben und auch vorbestraft sein, "aber nicht einschlägig", so der Polizei-Sprecher. Ob der Grevenbroicher etwa erdrückende Schulden hatte oder aus Risikobereitschaft den Bankraub verübt hat, dazu hat die Polizei aktuell noch keine Erkenntnisse.

(NGZ/ac)