Grevenbroich: Bald Reklame auf Dienstwagen?

Grevenbroich : Bald Reklame auf Dienstwagen?

Die Verwaltung möchte bei der nächsten Anschaffung von Autos prüfen, ob sie darauf Werbeflächen vermieten kann. In anderen Kommunen hat man damit bereits gute Erfahrungen gemacht. Allerdings gibt es auch Risiken.

Bürgermeisterin Ursula Kwasny hält die Idee nicht für ganz abwegig. "Auf manchem städtischen Fahrzeug prangt ja schon ein Logo – zum Beispiel das der WGV", sagt Kwasny. Mit Werbung externer Unternehmen ließen sich die leeren Stadtsäckel füllen. Ist also denkbar, dass der Dienstwagen der Bürgermeisterin demnächst als Werbefläche herhält? Zum Beispiel Kwasnys BMW "powered by RWE"? Ganz so weit gehen die Planungen im Rathaus nicht. Nach NGZ-Informationen soll aber geprüft werden, ob die Stadt mit Werbung auf ihren Dienstfahrzeugen Geld einnehmen könne. Dabei war ein entsprechender Antrag der FDP unlängst abgeschmettert worden.

Dezernent Claus Ropertz hatte zuvor Bedenken geäußert. Der Grund: Die Stadt müsse ihre Leasingfahrzeuge ohne Werbeaufkleber zurückgeben. Beim Entfernen der Aufkleber könnten Lackschäden entstehen, die letztlich von der Stadt gezahlt werden müssten. Dieses finanzielle Risiko müsse ausgeschlossen werden. Allerdings hält Ropertz den Vorschlag an sich nicht für schlecht. Er möchte nur keine böse Überraschung erleben.

Deshalb plant die Verwaltung, bei der nächsten Anschaffung von Leasingfahrzeugen zu prüfen, ob eine Vermietung von Werbeflächen möglich sei, welche Einnahmen man erzielen könne und wie hoch Kosten ausfallen können, die beim Entfernen der Werbefolien vor der Fahrzeugrückgabe drohen. "Eine Testphase ist möglich", sagt Claus Ropertz. Werbung sei aber nicht auf allen städtischen Fahrzeugen denkbar – zum Beispiel sei sie ausgeschlossen, wenn ein Wagen für repräsentative Zwecke diene. Werbung auf dem Dienstwagen der Bürgermeisterin wird es also nicht geben.

In anderen Kommunen hat man mit der Vermietung von Werbeflächen auf städtischen Autos bereits gute Erfahrungen gemacht. Die Stadt Gütersloh zum Beispiel betreibt über die Fahrzeug-Werbung ein Öko-Sponsoring. Das eingenommene Geld fließt in eine Stiftung, die Umweltschutzprojekte fördert. "Das können Renaturierungsmaßnahmen sein oder der Bau von Unterschlüpfen für Fledermäuse", teilt Stadtsprecherin Elisabeth Menke auf NGZ-Anfrage mit. 2008 hatte die Stadt Gütersloh sieben Fahrzeuge, die mit Werbung versehen waren, jetzt sind es nur noch vier. Dennoch hat sich der Ertrag nicht geändert: Er liegt nach wie vor bei 2000 Euro im Jahr.

Die Stadt Lindau hat Sponsoren gar bei der Anschaffung eines Pkw ins Boot geholt. Da der Haushalt den Kauf eines neuen Dienstwagens nicht ermöglichte, sprangen Firmen aus der Region ein: Sie zahlten einen VW Caddy, der zum Beispiel für Botendienste eingesetzt wird. Der Wagen sieht mit seiner Werbung zwar ziemlich bunt aus, entlastet aber die Stadtkasse.

(NGZ)
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