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Grevenbroich: "Bahnhof ist ein Brennpunkt"

Grevenbroich : "Bahnhof ist ein Brennpunkt"

In den vergangenen vier Monaten musste die Polizei 38 Mal zum Grevenbroicher Bahnhof ausrücken. Oft, weil sich jemand von der Anwesenheit der zahlreichen Methadon-Patienten der Fachpraxis gestört fühlt.

Der Grevenbroicher Bahnhof scheint ein heißes Pflaster zu sein: Allein in den vergangenen vier Monaten hat die Polizei dort 38 Einsätze gehabt. Die Liste der Delikte ist umfangreich: 25 Fahrraddiebstähle, vier Körperverletzungen, zwei räuberische Erpressungen, zwei Vergehen gegen das Betäubungsmittelgesetz, ein Diebstahl, ein Diebstahl aus einem Auto, ein Verstoß gegen das Aufenthaltsgesetz.

"Für die Polizei ist der Grevenbroicher Bahnhof immer wieder Einsatzort", sagt Polizeisprecher Hans Willi Arnold. Doch bei den meisten der Polizeieinsätze ist keine Gefahr im Verzuge. Grund dafür, dass sich Bürger und anliegende Geschäftsinhaber an die Polizei wenden, sind die zahlreichen Ex-Junkies. Wobei diese Klientel nur einen Teil der oben genannten Straftaten verübt. Mehr als 100 Methadon-Patienten kommen jeden Tag in die Entzugspraxis von Dr. Treppmann in der Südstadt. Ein Großteil kommt mit dem Zug und damit über den Bahnhof. Sie stehen dort in Gruppen zusammen, trinken Bier. Das sind keine Straftaten. Und deshalb fühlt sich auch keiner so richtig dafür zuständig, was rund um den Bahnhof geschieht. Auch der Facharzt Dr. Treppmann macht deutlich, dass seine Zuständigkeit vor der Praxistür endet: "Der Arzt ist nicht zuständig, wenn einer seiner Patienten im Supermarkt Whisky klaut." Doch die Polizei wird gerufen, weil viele Bürger Angst haben – wohl auch, weil die Patienten oft recht unkonventionell aussehen.

Richard Hütches betreibt die beiden Gaststätten Telegraaf und Richart, die unmittelbar am Bahnhof liegen. "Der Bahnhof ist ein Brennpunkt", fasst er zusammen. "Wir haben schon einen Drogenfund bei uns in der Gaststätte gehabt", sagt er. Auch im Hotel Sonderfeld hat es schon unliebsamen Besuch gegeben. "Einer der Methadon-Patienten aus der Praxis in Grevenbroich kam ins Hotel, wollte hier Armbänder verkaufen", berichtet Hotelchef Andreas Sonderfeld. Der Mann habe Geld gebraucht, um die Fahrt in die Arztpraxis bezahlen zu können. Dass in den vergangenen vier Monaten "nur" zwei Vergehen gegen das Betäubungsmittelgesetz registriert wurden, erklärt Polizeisprecher Arnold so: "Unsere Klientel weiß, dass wir kommen. Die macht ihre Geschäfte dann nicht am Bahnhof, sondern irgendwo anders."

Karl-Heinrich Hahnbück, Geschäftsführer des Bahnhof-Kiosks, hat in den vergangenen vier Jahren rund 20 Mal die Polizei gerufen. Er meint: "Jeder einzelne der Treppmann-Patienten ist in Ordnung – nur als Gruppe schrecken sie ab." Und die Bahn? Die sieht sich ebenfalls nicht in der Verantwortung: "Das Problem muss von Politik und Polizei angegangen werden", meint Bahnsprecher Gerhard Felser. Von einer Kamera wird das Geschehen zwar aufgezeichnet. Doch die Bilder werden nach Aachen gesendet.

(NGZ)