Grevenbroich: Bagger-Brüter im Tagebau

Grevenbroich : Bagger-Brüter im Tagebau

Die gigantischen Schaufelradbagger fressen sich durch die Landschaft. Wanderfalken stört das nicht.Sie haben die 14 000 Tonnen schweren Großgeräte erobert und ziehen in luftigen Höhen ihren Nachwuchs groß.

Unzählige Treppenstufen, dunkle Nischen, kleine und große Hohlräume. Die gigantischen Schaufelradbagger im Tagebau bieten viele Versteckmöglichkeiten. Und in Höhen von bis zu 96 Metern schaut nur selten einer der Kumpel aus der Braunkohlegrube vorbei. Wanderfalken lieben das – auf den 14 000 Tonnen schweren Geräten können sich die Greifvögel ungestört und in aller Ruhe vermehren. Hier ziehen sie ihren Nachwuchs groß.

In den 1950er Jahren war der Wanderfalke so gut wie ausgestorben, das Pflanzenschutzmittel DDT bereitete den stolzen Vögeln den Garaus. "Nach dem Verbot des Gifts setzten Tierschützer mehrere Exemplare aus Zuchten erfolgreich an markanten Punkten aus, etwa am Kölner Dom", erklärt Ulf Dworschak von der RWE-Forschungsstelle Rekultivierung.

Mit den Jahren habe sich der Falken-Nachwuchs in der Umgebung ausgebreitet und sei schließlich in der industriell geprägten Landschaft des Rheinischen Reviers gelandet. "Nachdem die ersten Paare an den Türmen der Kraftwerke brüteten, nahmen sie nach und nach auch die Großgeräte in den Tagebauen in Beschlag. Seit etwa zehn Jahren sind sie dort zu finden", berichtet Dworschak.

Und "in der Braunkohle" stehen sie unter besonderer Obhut. Die Arbeitsgemeinschaft Wanderfalkenschutz des Nabu wirft regelmäßig ein Auge auf die Greifvögel und sorgt gemeinsam mit Mitarbeitern aus den Tagebauen für ideale Nistgelegenheiten. "Es kann vorkommen, dass die Tiere in Hohlräumen ihre Nester bauen. Dort ist alles voll Schmiere, unter der die Falken leiden könnten", sagt Ulf Dworschak. Damit das nicht passiert, werden spezielle Nistkisten bis in die hohen Pylonen der Riesenbagger gezogen.

Eine aufwendige Arbeit: Schließlich muss dafür ein mobiler Großkran in den Tagebau geordert werden, der die in den RWE-Ausbildungswerkstätten gezimmerten Kisten an den Haken nimmt, damit sie in luftiger Höhe montiert werden können. "Die Arbeit lohnt sich aber", meint Ulf Dworschak: "Wir haben zurzeit alleine an den Baggern fünf Bruten. Es gibt Jahre, da fliegen bis zu 25 Jungvögel durch die Tagebaue."

Eine ähnliche Entwicklung beobachtet der Grevenbroicher Umweltbeauftragte Norbert Wolf an den Türmen der beiden Kraftwerke. "Die Tiere fühlen sich dort schon lange heimisch – das ist toll, wenn man bedenkt, dass die Wanderfalken noch vor wenigen Jahrzehnten vom Aussterben bedroht waren", berichtet er. Was ihn freut: Der Brutplatz am Kraftwerk Frimmersdorf ist der ergiebigste im Regierungsbezirk Düsseldorf: "Dort fliegen in jeder Brutsaison mindestens drei, meistens vier Jungvögel aus."

(NGZ)
Mehr von RP ONLINE