Grevenbroich: Bad-Architekt: Abriss zu teuer

Grevenbroich : Bad-Architekt: Abriss zu teuer

Dieser Brief birgt Zündstoff: Karl-Heinz Reuter, der in den 1960er Jahren das Schlossbad plante, hat einen Appell an Rat und Verwaltung gerichtet. Tenor: Mit dem geplanten Neubau würden unnötig Millionenbeträge ausgegeben.

Karl-Heinz Reuter ist kein Unbekannter in der Szene. Seit 1968 engagiert er sich im kommunalen Sportstättenbau, zurzeit saniert der 70-Jährige das Agrippa-Bad in Köln. Nun meldet sich Reuter im Rahmen der Grevenbroicher Schlossbad-Diskussion zu Wort. "Dazu fühle ich mich als im öffentlichen Bäderbau erfolgreich tätiger Architekt sogar verpflichtet — um den aus meiner Sicht erkennbaren Irrwegen bisheriger Entscheidungsfindungen entgegen zu wirken", argumentiert der Chef der Neusser "Planungsgruppe Bad".

In einem an Politik und Verwaltung gerichteten Brief warnt Reuter vor dem Abriss des von ihm geplanten Schlossbades. Diese Aktion sei seiner Meinung nach zu kostspielig. Laut Karl-Heinz Reuter würde es ausreichen, das Bad lediglich bis auf den Rohbau abzureißen — der könne nämlich noch saniert werden. "Das entkernte Bauwerk würde einen hohen Gebäudewert darstellen, der das Invest für ein modernisiertes Schlossbad gewiss erheblich mindern und wirtschaftlicher gestalten lässt", so Reuter. Der Architekt schätzt die Kosten für einen Abriss des Schlossbades auf rund eine Million Euro. Damit werde jedoch sanierungsfähige Bausubstanz im Wert von gut 1,5 Millionen Euro vernichtet, gibt er zu bedenken. "Das heißt, dass circa 2,5 Millionen Euro für ein abgeräumtes Grundstück quasi in den Wind geschrieben sind", so Reuter.

Zudem warnt der Neusser davor, dass bei einem Badneubau mit ebenerdigen Becken aufwendige Maßnahmen gegen das Grundwasser zu treffen seien. "Das sind Ausgaben von weiterhin geschätzt etwa einer Million Euro, die für den Badegast unerkannt bleiben", schreibt Karl-Heinz Reuter. Einschließlich der Baunebenkosten geht der 70-Jährige von — grob geschätzten — Ausgaben in Höhe von vier Millionen Euro aus. Diese Summe würde "verbrannt" für die Idee, ebenerdig baden zu können. "Dies ist etwa die Hälfte des Betrages, der für die Sanierung und Modernisierung des Schlossbades aufzubringen wäre", unterstreicht Reuter.

Der Architekt erinnert in diesem Zusammenhang an die Bäder im Neusser Nord- und Südpark. Diese seien — "obwohl deren Bausubstanz ungleich minderer waren" — nicht abgerissen, sondern modernisiert worden. Reuter: "Insoweit kann ich nicht nachvollziehen, dass (die Firma) Constrata — die ja die Baumaßnahmen in Neuss begleitet hat — in Grevenbroich den Abriss und Ersatzneubau propagiert."

Neben Landrat Hans-Jürgen Petrauschke und den Ratsfraktionen erhielt auch Bürgermeisterin Ursula Kwasny das "Mahn-Schreiben" aus Neuss. Die Verwaltungschefin war gestern für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.

(NGZ)