Baby-Boom im Kreiskrankenhaus St. Elisabeth Grevenbroich

Klinik-Schließung in Bergheim : Baby-Boom im Grevenbroicher St.-Elisabeth-Krankenhaus

Das St.-Elisabeth-Krankenhaus in Grevenbroich verzeichnet einen Baby-Boom. Auch weil die Geburtshilfe des Maria-Hilf-Krankenhauses im nahen Bergheim im Frühjahr schließt, wird das Hebammen-Team jetzt komplettiert.

Anderswo werden Kreißsäle geschlossen, das Kreiskrankenhaus St. Elisabeth stockt in der Geburtshilfe auf. Nicht nur, weil im vergangenen Jahr ein regelrechter Baby-Boom mit rekordverdächtigen 497 Babys zu verzeichnen war. Sondern auch, weil die Abteilung Gynäkologie und Geburtshilfe des Maria-Hilf-Krankenhauses (MHK) zum 31. März ihren Betrieb einstellt. Da die Bergheimer Klinik nur etwa 20 Kilometer von der Schlossstadt entfernt liegt, sind weitere werdende Mütter, die eigentlich dort entbinden wollten, am Kreiskrankenhaus St. Elisabeth zu erwarten.

„Wir sind gut vorbereitet“, kommentiert Heike Römer, leitende Hebamme der Geburtshilfe an der von-Werth-Straße, die Situation. Seit 2011 ist sie an der Klinik, zusammen mit ihrem Team sorgt sie für den guten Ruf, den Kreißsaal, Ärzte und Hebammen genießen. „Das Familiäre, das neben aller fachlichen Kompetenz immer wieder gelobt wird, gefällt nicht nur den werdenden Müttern. Das gefällt auch den Hebammen“, sagt sie. Derzeit sind es zehn Kolleginnen, die Geburten betreuen. Im Frühjahr wird die Zahl um eine erfahrene Kollegin aufgestockt. „Die Aufstockung ist wichtig, um die gewohnte gute Betreuung der werdenden Mütter beizubehalten“, erklärt Kreißsaal-Oberärztin Katharina Theis. Es ist beispielsweise in Studien erwiesen, dass eine intensivere Betreuung durch die Hebamme das Schmerzempfinden unter Wehen reduziert und dadurch auch die Rate an sekundären, also im Geburtsverlauf notwendigen, Kaiserschnitten geringer ist.

Die Zahlen bestätigen das. 2018 gab es 347 vaginale Geburten und 150 Kaiserschnitte. Von den Kaiserschnitten waren 60 geplant, das bedeutet, dass von allen Frauen, die ihr Kind auf natürlichem Wege zur Welt bringen möchten, nur etwa 20 Prozent einen Kaiserschnitt im Verlauf der Geburt benötigen.

„Wir haben Glück“, sagt Heike Römer über die „gute Anzahl qualifizierter Bewerberinnen“ als Hebammen. Denn anders als in anderen Geburtshilfeabteilungen – auch die Kollegen vom MHK beklagten nicht nur die anhaltend schlechte Kosten- und Ertragslage der Abteilung und sinkende Geburtenzahlen, sondern die schwierige Personalgewinnung – gibt es für St. Elisabeth engagierte Kandidatinnen. „Ich wollte genau an dieses Haus“, erklärt Adina Müller, seit April vergangenen Jahres Hebamme am Kreiskrankenhaus. Sie ist übrigens selbst hier zur Welt gekommen und „der Klinik schon immer verbunden“. Um ihr Fach-Abi zu absolvieren, hatte sie ihr Praktisches Jahr am „Elisabeth“ gemacht, einen Monat war sie im Kreißsaal tätig. Die 23-Jährige hatte sich im Vorfeld „alle umliegenden Krankenhäuser mit Geburtshilfe angesehen“ und sich bewusst „gegen ein sogenanntes großes Haus entschieden.“ Dort fände nicht die Geburtshilfe statt, die sie leisten möchte. „Ganz wichtig ist, für die werdende Mutter und ihre Wünsche da zu sein“, neben aller Verantwortung sei „gut kommunizieren zu können“ wichtig. In ihre Aufgaben sei sie „schnell herein gewachsen, weil hier einfach alles stimmt.“

Reklame in eigener Sache macht die Abteilung mit regelmäßigen Kreißsaal-Führungen und beispielsweise einer offenen Anmeldesprechstunde. In der offenen Sprechstunde ist auch ein Anästhesist anwesend, der zu Periduralanästhesie, kurz PDA, und anderen schmerzlindernden Methoden befragt werden kann. Eine neue Broschüre über die Geburtshilfe, in der das komplette Portfolio abgebildet ist, gibt es ab Frühjahr.