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Grevenbroich: Awo wagt den Neustart

Grevenbroich : Awo wagt den Neustart

Vor drei Jahren ging die Arbeiterwohlfahrt in Rhein-Kreis Neuss in die Insolvenz. Seit Juni 2011 gibt es sie wieder als Verein. Dieser will sich heute bei der ersten Konferenz in Garzweiler inhaltlich aufstellen. Ein Thema: Kinderarmut.

Die Arbeiterwohlfahrt (Awo) im Rhein-Kreis Neuss formiert sich neu – inhaltlich und organisatorisch. Die heutige erste Vereinskonferenz in der Peter-Giesen Halle in Garzweiler hat der Vorstand um den Vorsitzenden Michael Rosellen (34), Sozialarbeiter und Pädagoge aus Neuss, unter das Motto "Gemeinsam in die Zukunft" gestellt. Die großen Themen, die Rosellen im Rhein-Kreis Neuss sieht, heißen Kinderarmut, demografischer Wandel und die Stabilisierung der ehrenamtlichen Strukturen im Verein. "Die Awo hat sich schon immer um Kinderarmut gekümmert. Die Kinderarmut von heute ist die Altersarmut von morgen", sagt Rosellen.

Der Blick in Zukunft richten: Das ist auch für den Verband auf Kreisebene selbst notwendig. Vor drei Jahren hatte die Awo im Rhein-Kreis Neuss Insolvenz anmelden müssen, nachdem dem damaligen Geschäftsführer Betrug und Unterschlagungen vorgeworfen worden war. Einrichtungen in Grevenbroich wie das Seniorenheim "Lindenhof" übernahm der Rhein-Kreis, zwei Kindergärten die Stadt Grevenbroich. "Seit 2008 hat es uns als Verband auf Kreisebene nicht mehr gegeben", erläutert Rosellen. Gleichwohl sei die Arbeiterwohlfahrt föderalistisch aufgebaut und deshalb sei auch die Kreisebene wieder zu besetzen. Dass der Bezirksverband Niederrhein die Arbeit der 14 Ortsvereine im Rhein-Kreis Neuss seit drei Jahren mitkoordiniert habe, sei lediglich eine "Übergangslösung" gewesen.

"Wir wollen uns mit den anderen Wohlfahrtsverbänden wieder auf Augenhöhe bewegen, deshalb im Juni die Neugründung als Verein", erläutert der Vorsitzende. Soziale, kulturelle und sportliche Angebote sollen weiterhin unterbreitet werden. Zudem wolle die Arbeiterwohlfahrt als Wohlfahrtsverband im Rhein-Kreis Neuss politischen Einfluss nehmen.

Was der demografische Wandel für die Awo im Rhein-Kreis bedeutet: "Wir werden unsere Angebote auf eine älterwerdende Gesellschaft ausrichten müssen", sagt Michael Rosellen. Eine weitere Herausforderung sieht er in der Einbindung von Ehrenamtlern, sowohl auf Funktionärsebenen als auch bei den Aktivitäten in den Ortsvereinen: "Früher haben sich Ehrenamtler über Jahre engagiert. Heute arbeiten Menschen kurzfristiger, eher projektbezogen. Darauf müssen wir uns einstellen."

Dass die Bekämpfung von Kinderarmut ein Awo-Anliegen bleibt, zeigt die Wahl des heutigen Vortrags: Heinz Hilgers, Präsident des Deutschen Kinderschutzbundes, beschäftigt sich unter dem Titel "Arm – und wie weiter?" mit der Umsetzung des Bildungs- und Teilhabepaketes der Bundesregierung.

(NGZ)