Ausstellung zur Marmeladenfabrik Titz wird am 30. September noch einmal geöffnet

Glehn: Erinnerung an „unsere“ Marmeladenfabrik

Die Ausstellung zur Marmeladenfabrik Titz wird am Sonntag noch einmal präsentiert. Die Heimatfreunde Glehn haben sie konzipiert.

Die seit Februar diesen Jahres vom Archivkreis der Glehner Heimatfreunde vorbereitete Ausstellung „140 Jahre Marmeladenfabrik Titz“ wird am Sonntag, 30. September, von 14 bis 17 Uhr, im Glehner Heimatmuseum an der Bachstraße 12 noch einmal zu für die Öffentlichkeit zu sehen sein. Mit zahlreichen Dokumenten, Werbeprodukten, Etiketten, Fässern und Unmengen historischer Fotos hatte diese Präsentation bei der Glehner Bevölkerung und besonders bei ehemaligen Mitarbeitern der Marmeladenfabrik besonders großen Anklang gefunden.

„Wenn die Titz-Kraut- und -Marmeladenfabrik nicht gewesen wäre, hätte früher kaum ein Mensch von dem Ort „Glehn“ gehört. Glehn war weltweit bekannt,“ sagt Heinz Weckopp, der wie auch Gerhard Tumma, Marion Künne und Klemens Plümper zum fünf Leute starken Archivteam der Heimatfreunde Glehn rund um Steven Hendy gehört, dem kommissarischen Archivar des Vereins. Tumma, der immer schon viele eigene Ideen in die Ausstellungsserie der Heimatfreunde einbringt, erklärt: „Kurz vor dem hundertjährigen Firmenbestehen wurde die Firma Titz geschlossen, nachdem sie noch einige Jahre zur Firma Grafschafter gehörte. Jetzt hätte sie 140 Jahre bestanden – Grund genug, Glehns ehemals größten Arbeitgeber eine Ausstellung zu widmen.“  Besonders interessant für Besucher dieser Ausstellung dürften auch die technischen Zeichnungen der Produktionsanlagen sein, die Adolf Hütches den Heimatfreunden zur Verfügung gestellt hat. Der jetzt 79-Jährige hatte 26 Jahre lang bei Titz gearbeitet.

So sah das Laufband für Marmeladengläsern in der Fabrik Titz aus. Foto: Berns, Lothar (lber)
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Die meisten Fotos stammen aus den 1950er Jahren, und Tumma erklärt nicht ohne Stolz: „Wir können sie jetzt zum Teil erstmals ausstellen.“ Kaum jemand erinnert sich noch daran, dass das gesamte Areal zwischen Bachstraße, Sandkaule und Heckenend früher im Besitz einer einzigen Firma war, die auf Frühstückstischen rund um die Welt bis hin nach China und Südamerika mit ihren Kraut- und Konfitüreprodukten vertreten war. Qualität wurde groß geschrieben bei der Firma Titz, die 1878 hervorging aus einer nebenerwerblichen Existenz zum landwirtschaftlichen Betrieb von Adam Titz. Aus dem Jahr 1942/43 gibt es einen intensiven Schriftverkehr mit dem „Altmeister der deutschen Zuckertechniker“ Dr. Hermann Claassen zwecks weiterer Qualitätsoptimierung. Das „Zucker-Museum“ der Technischen Universität Berlin stellt den Schriftverkehr als „historisch bedeutsam“ heraus.

Heinz Weckopp (l.) und Gerhard Tumma vom Archivkreis der Glehner Heimatfreunde in der Ausstellung zur Marmeladenfabrik Titz. Foto: Karin Verhoeven-Meurer

Im Jahr 1959 wurde für die Titz- Fabrik eine Roboteranlage angeschafft, die angefangen vom Befüllen bis hin zum Verschließen der Gläser und der Verpackung in Kartons 40 Arbeitskräfte ersetze und Glehn berühmt machte als Standort des modernsten Roboters in Europa. Das alles änderte nichts an der Tatsache, dass die Firma 1978 die Produktion einstellte und der gesamte Gebäudekomplex im Sommer 1986 unter großer emotionaler Beteiligung der Glehner Bevölkerung abgerissen wurde. Doch an gleicher Stelle konnte sich mittlerweile wichtige Infrastruktur für den stark gewachsenen Ort entwickeln.

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