Ausbau der L 361 bedroht Tiere in der Erftaue

Vogelvielfalt in Grevenbroich : Fotografin dokumentiert Tierwelt der Erftaue

Martina Meyer ist gegen den Bau der L 361n. Ein wertvoller Lebensraum von Vögeln, Insekten und Wildtieren würde zerstört werden.

Der geplante Ausbau der L 361n in Kapellen würde erhebliche Konsequenzen für die Flora und Fauna in der Erftaue bedeuten. Das sagt Martina Meyer. Die Kapellenerin fotografiert und dokumentiert seit fünf Jahren die Population in dem Naturschutzgebiet und zeigt diese im Rahmen eines Vortrags am 2. August im Auerbachhaus.

Disteln – die krautige Pflanze mit Stacheln an Blättern und Stängeln halten manche für Unkraut. Dabei dient sie vielen Vögeln und Insekten als Nahrungsquelle. In der Erftaue wachsen einige davon. „Aus den Blüten zupfen Vögel die Blätter raus, an denen der Samen hängt. Den essen sie dann“, sagt Martina Meyer. Besonders der Stieglitz sei an den Pflanzen zu finden, weswegen er auch den Namen „Distelfink“ trage. „In manchen Gebieten ist der Stieglitz vom Aussterben bedroht, in der Erftaue eigentlich nicht.“

In Thüringen aufgewachsen, hat die gelernte Controllerin viel Zeit in der Natur verbracht. Berge und Wald habe sie anfangs vermisst, ihr Mann zeigte ihr aber, dass auch Kapellen etwas zu bieten habe. Dabei hat sie auch schon seltene Exemplare vor die Linse bekommen: „Der Rotkopfwürger kommt sonst eher in wärmeren Gefilden vor.“ Ihr Auftrag war damit schnell klar: Den Kapellenern zeigen, was sich vor ihrer Haustüre befindet. In Neuss erkundet sie außerdem mit Schülern den Wald, um schon so früh wie möglich ein Bewusstsein für die Natur zu vermitteln. Selbstverständlich darf die Enkelin auch vom Wissen der Großmutter profitieren. „Außer dem Naturschutzgebiet in Kapellen gibt es kein Naherholungsgebiet im Kreis“, sagt die 57-Jährige. Deshalb sei es umso wichtiger, diese natürliche Erholungslandschaft zu erhalten.

Die Population schwanke in der Erftaue aufgrund der Witterung bereits sehr stark, Bauarbeiten an der Grenze des Gebiets würden den Tieren ihren Lebensraum wegnehmen. „Das möchte ich mir gar nicht vorstellen“, sagt Meyer. Allein für die Baufahrzeuge müssen größere Wege angelegt werden, Grünfläche würde verloren gehen und Brutplätze verschwinden. Vögel müssten sich einen anderen Ort suchen. „Gerade die Nachtigall braucht dichtes Geäst, da sie am Boden brütet“. So lange das Gebiet beeinträchtigt sei, würden auch keine Vögel dorthin kommen. Ein erneutes Ausbreiten der Natur zwischen Betonpfeilern hält Meyer für fragwürdig. Auswirkungen gebe es für Jahrzehnte.

In fünf Jahren Fotojagd haben sich Tausende von Fotos angesammelt, die mittlerweile auf zwei Festplatten ihren Platz finden. Eine Auswahl von Vogelbildern möchte Martina Meyer am Donnerstag, 2. August, um 19 Uhr im Auerbachhaus vorführen. „Ich beschränke mich dort auf die Vogelwelt, sonst wird es zu viel.“ Sie hoffe aber eine Serie anbieten zu können, damit sie auch die Insekten und Wildtiere in der Umgebung präsentieren könne.

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