Grevenbroich: Aus für Förderschule?

Grevenbroich : Aus für Förderschule?

Nach NGZ-Informationen soll die Martin-Luther-King-Förderschule im Schuljahr 2013/14 schließen. Die Stadt als Schulträger will keine Stellung beziehen. Doch die Bezirksregierung bestätigt, dass Gespräche laufen.

Hinter der Zukunft der Martin-Luther-King-Schule steht ein Fragezeichen: Die Förderschule mit Schwerpunkt "Lernen" in Frimmersdorf soll auf der Streichliste von Stadt und Kreis stehen. Rektorin Anne Becker will sich nicht öffentlich äußern: "Dazu kann ich jetzt nichts sagen." Nachfrage bei der Stadtverwaltung Grevenbroich, die Schulträger ist: "Wir wollen uns nicht an spekulativen Gerüchten beteiligen und geben daher keinen Kommentar dazu ab", erklärt Rathaussprecher Andreas Sterken. Nach NGZ-Informationen soll die Schule, die rund 140 Kinder und Jugendliche besuchen, im Schuljahr 2013/14 geschlossen werden. Stattdessen soll das Gebäude für die Viktoria-Schule genutzt werden.

Es gibt unterschiedliche Gründe, warum immer mehr Förderschulen auf der Kippe stehen: Zum einen wurde im Jahr 2009 die UN-Resolution, wonach Menschen mit Behinderung nicht diskriminiert werden dürfen, geltendes Recht in der Bundesrepublik. Das Land NRW als Gesetzgeber passte das Schulgesetz an: Seitdem werden Behinderte nicht mehr einer Förderschule zugewiesen, sondern können sich auch für eine allgemeinbildende Schule entscheiden. In Grevenbroich gibt es etwa integrative Klassen an der katholischen Hauptschule, in der Nachbarkommune Jüchen wird an der neuen Sekundarschule nach dem Prinzip der Inklusion unterrichtet.

Zum anderen sinken die Schülerzahlen. In einem Bericht, den der Rhein-Kreises und seine sieben Kommunen herausgegeben haben, heißt es dazu: "Die allgemeinen Schülerzahlen im Rhein-Kreis Neuss sind seit dem Jahr 2005 rückläufig." Entgegen dem demografischen Trend steige aber die Zahl der Schüler mit sonderpädagogischem Förderbedarf an. "Insgesamt wird zu leichten Rückgängen — im Umfang von zwei Prozent — kommen." Ein weiteres Problem: "Für die Zukunft ist nicht einschätzbar, wie die Eltern sich zukünftig für die Beschulung eines Kindes in einer allgemeinbildenden statt einer Förderschule entscheiden."

Am Ende der Entwicklung werde der Unterricht an der allgemeinen Schule der Normalfall sein. Tillmann Lonnes, Dezernent für Schulen beim Rhein-Kreis , verweist darauf, "für die Martin-Luther-King-Schule nicht zuständig zu sein": "Die Entscheidung für eine Schließung muss der Rat der Stadt Grevenbroich treffen." Allerdings sei wegen der Inklusion Handlungsbedarf zu erkennen. Bei der Bezirksregierung Düsseldorf bestätigt Marielle Erb, dass "Gespräche laufen": Allerdings sei zurzeit "noch keine Entscheidung" getroffen worden. Dies werde "voraussichtlich bis zum Herbst dauern".

(NGZ/rl)
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