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Grevenbroich: Aus Findeltieren werden Kalender-Stars

Grevenbroich : Aus Findeltieren werden Kalender-Stars

Zum vierten Mal hat die Umweltstation Schneckenhaus ihren Wildtierkalender herausgebracht. Der ist gleichzeitig ein schöner Jahresrückblick und bringt nebenbei auch etwas Geld für neues Tierfutter. Das wird dringend benötigt.

Wenn Norbert Wolf einmal im Jahr zur großen Bilderauswahl lädt, stellt er sich nicht nur auf einen langen Tag, sondern vor allem auf eine hitzige Debatte ein. Mehr als 1000 Tierfotos "schießen" er und seine Mitarbeiter vom Umweltzentrum Schneckenhaus in jedem Jahr. Aber nur die besten Bilder schaffen es in den Wildtierkalender des Fördervereins. "Wir diskutieren in großer Runde. Das dauert — und es ist immer ein harter Kampf", sagt Wolf lachend.

Dass die Debatte immer sehr emotional geführt wird, kann nicht wirklich überraschen, schließlich hat jeder aus dem Schneckenhaus-Team seine Favoriten — unter den Bildern, und erst recht unter den Tieren. Auch dieses Jahr ging für die Auswahl der Fotografien wieder ein ganzer Tag drauf. "Aber es hat sich gelohnt", stellt Norbert Wolf mit einem Blick auf den fertigen Kalender zufrieden fest. Ab sofort gibt es diesen für zehn Euro im Schneckenhaus sowie im Rathaus.

250 Exemplare hat die vierte Auflage. "Die gehen eigentlich immer weg, vor allem die Kinder freuen sich", sagt Wolf, der gleichzeitig seit 27 Jahren Umweltschutzbeauftragter der Stadt ist. Das eingenommene Geld wird dann in Futter investiert, damit die "Stars" des Kalenders auch etwas davon haben.

Mehr ist für die (im Idealfall) 2500 Euro nicht zu machen. So sieht Wolf den Kalender auch nicht als rein kommerzielles Verkaufsgut, vielmehr ist er ein Aushängeschild für die Arbeit der Umweltstation und ein schöner Jahresrückblick. Denn zu jedem Bild hat Norbert Wolf einen kleinen Text geschrieben — über das Tier und seine ganz persönliche Geschichte im Schneckenhaus.

Diese Geschichten, die die zwei Hauptamtler und die acht Freiwilligendienstleistenden tagtäglich erleben, gehen auch mal ans Herz. So wie die des Storchs, der völlig entkräftet am Schneckenhaus ankam und über Wochen wieder aufgepäppelt werden musste. Da er seine ursprüngliche Gruppe verloren hatte, war unklar, wie er in den Süden kommen sollte. Tagelang guckte er vergebens in den Himmel. Bis er auf einmal eine andere Gruppe Störche sah, die es sich auf dem Kreishaus für einen Zwischenstopp gemütlich gemacht hatte. Als diese dann in Richtung Süden aufbrach, spannte der Storch seine Flügel auf und flog einfach mit.

Nur eine von zahlreichen Geschichten. Etwa 1600 Tiere versorgt das Team pro Jahr. Den Großteil machen die rund 900 Vögel aus, dazu gesellen sich Igel, Steinmarder, Eichhörnchen und Mäuse, aber auch Wildschweine und Waschbären. Haustiere finden sich dort nicht. "Wir haben eine Arbeitsteilung mit dem Tierheim. Die kümmern sich um Haus-, wir uns um Wildtiere", sagt Wolf, der auch als Ratgeber gefragt ist. Findet die Feuerwehr ein verletztes Tier, ruft sie bei ihm an. Dasselbe gilt für Gerichtsvollzieher oder Polizisten, die Tiere in verlassenen Wohnungen oder von Verstorbenen finden. Ein Anruf genügt. Entweder weiß Wolf Rat oder nimmt das Tier auf. Und irgendwann landet es vielleicht in einem der nächsten Kalender.

(bes)