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Aus dem Kloster Langwarden in Grevenbroich: Quarantäne der anderen Art

Spiritueller Zwischenruf aus Grevenbroich : Ein Quarantäne-Tag der anderen Art

Pater Bruno Robeck gehört zum Zisterzienserorden und ist Prior im Kloster Langwaden. In seiner Kolumne schreibt er in dieser Folge über den Karsamstag. Eine Art Tag der „kirchlichen Quarantäne“, wie Robeck sagt. Und er stellt fest: Es gibt Parallelen zur Corona-Quarantäne.

Eigentlich müsste zumindest den Christen diese große Quarantäne-Zeit nicht ganz unbekannt sein. Eigentlich. Denn es gibt im Kirchenjahr einen Tag, an dem die Kirche alle Gläubigen zur Ruhe und zum Innehalten auffordert. Nur an diesem einen Tag lädt die Kirche nicht zu einer großen gemeinsamen Gottesdienstfeier ein. Dieser Tag ist eine Art „kirchliche Quarantäne“.

Leider konnte sich dieser Tag in seiner Bedeutungsschwere nicht durchsetzen – wahrscheinlich weil er zu still ist. Er ist ein willkommener Ruhetag nach dem vorausgegangenen Gedenken des Letzten Abendmahls und der Passion Jesu und gleichzeitig ein passender Vorbereitungstag für die kommenden Osterfeierlichkeiten. Dieser Tag ist der Karsamstag – also der Tag nach dem Gründonnerstag und Karfreitag und vor dem Ostersonntag. Am Karsamstag bleiben jedes Jahr die Kirchen leer – wenn auch offen. Am Karsamstag gibt es nie eine Messfeier, nur persönliches Gebet. Am Karsamstag nehmen wir, die Lebenden, unsere eigene Verletzlichkeit und Sterblichkeit wahr und sehen die Toten, denen wir nicht mehr helfen konnten. Am Karsamstag sind wir ganz auf uns selbst zurückgeworfen. Und es wird still. Totenstill.

So erleben wahrscheinlich viele Menschen die aktuelle Situation. Es ist Karsamstag schon seit längerer Zeit. Neben dieser Totenstille des Karsamstags, die für alle sichtbar ist, gibt es die große Ruhe, der wir nachspüren können. Am Karsamstag denken wir Christen auch daran, wie Jesus nach seinem Sterben am Kreuz in das Reich des Todes hinabsteigt. Dieses Unterfangen erfordert Ruhe und Konzentration – wie alle großen Aufgaben. Jesus taucht in die tiefste Dunkelheit menschlichen Lebens, Leidens und Todes ein.

Es ist für uns nicht sichtbar, aber der Glaubende weiß um dieses verborgene Geschehen. Karsamstag heißt: Ausharren in dieser eigenartigen Atmosphäre zwischen der Erfahrung des Nichts-tun-könnens und der vollen Überzeugung, dass etwas im Verborgenen geschieht. In dieser Spannung werden wir in der kommenden Samstagnacht der Auferstehung Jesu gedenken.

Wir werden „gefühlt“ weiter im Karsamstag leben – auch nach dem Ostern. Wir werden weiter in der Not stecken. Gleichzeitig zeigt uns der Ostersonntag, das der Karsamstag nicht der letzte Tag ist. Diese Erkenntnis ändert alles. Am Ende steht das neue Leben, die Überwindung des Leidens, die Auferstehung von Toten. Diese Verheißung schenkt paradoxerweise gerade der Karsamstag. Jesus ist wieder aufgetaucht aus dem Reich des Todes und auch wir werden wieder auftauchen aus dem Leid. Mit dieser Gewissheit kann man gut am Karsamstag leben, auch nachdem wir Ostern gefeiert haben.