Grevenbroich: Auferstehung in buntem Glas

Grevenbroich: Auferstehung in buntem Glas

In der Sebastianuskirche in Hülchrath ist ein Auferstehungsfenster zu sehen. Es gehört zu drei Fenstern, die von einem teils vergoldeten Mosaik mit symbolischer Bedeutung eingerahmt sind.

Mit dem Auferstehungsfenster, sagt Peter Lys, sei es wie mit einem Kleiderschrank. Man gehe Hunderte Male daran vorbei, aber beachte es kaum. Dabei lohnt sich der Blick nach oben in der Sebastianuskirche in Hülchrath dieser Tage besonders: In der Apsis zeigt ein kunstvolles Ensemble die Geschichte Jesu, und das Fenster ganz rechts zeigt den Höhepunkt des Osterfestes, der am Sonntag gefeiert wird - die Auferstehung. Das Fenster ist eines von dreien in der Apsis, sie zeigen Geburt, Kreuzigung und Auferstehung Jesu.

Foto: A. Woitschützke

"Der Reiz der Fenster besteht vor allem darin, dass sie in das große Mosaik eingebaut sind", sagt Lys, der Vorsitzender des Orgelbauvereins ist. Nach Art der römischen Basiliken sei die Apsis beim Bau der Kirche in den Jahren 1911 und 1912 mit Mosaiken geschmückt worden. Viele der Mosaiksteine seien vergoldet, sagt Lys.

Die drei Fenster wurden - wie auch die meisten anderen Fenster der Hülchrather Kirche - von der Hofglasmalerei Franz Carl Hubert Hertel gefertigt. Der Betrieb, der im 19. Jahrhundert in Düsseldorf ansässig war, wurde 1873 von König Johann von Sachsen zur Hofmalerei ernannt. Zur Goldenen Hochzeit des Königspaares hatte Johanns Sohn, Prinz Georg, ein Fenster bei Hertel und Lesch, wie der Betrieb ehemals hieß, anfertigen lassen und es in der Dresdener Schlosskapelle anbringen lassen. "Das hatte so großen Anklang gefunden, dass der Betrieb zur königlich-sächsischen Hofglasmalerei ernannt wurde", weiß Annette Jansen-Winkeln von der Forschungsstelle Glasmalerei des 20. Jahrhunderts in Mönchengladbach.

Fenster aus der Zeit wie in Hülchrath seien besonders wertvoll, sagt Jansen-Winkeln: "Im Rheinland sind nur etwa 20 Prozent der Glasmalarbeiten aus der Vorkriegszeit erhalten." Auch die Sebastianuskirche wurde im Zweiten Weltkrieg in Mitleidenschaft gezogen, weil eine Bombe die kleine Pfarrkirche nebenan traf. Einige Fenster der Sebastianuskirche wurden dadurch beschädigt. Weil die Gemeinde nach dem Krieg ihr Geld zunächst für Flüchtlinge bereitstellte, wurden die Schäden erst in den Jahren 1953/54 behoben.

Gestiftet wurden die kunstvollen Fenster von den Familien Stübben und Panzer. Josef Stübben wurde in Hülchrath geboren und war lange als Stadtplaner vor allem in Köln aktiv. Sein Denkmal steht vor der Kirche auf dem Sebastianusplatz. Familie Panzer hingegen war laut Lys eine Handelsfamilie, die unter anderem mit Kohle handelte und Feinkostläden in Düsseldorf betrieb.

Im Mosaik über den Fenstern ist ebenfalls eine Jesusdarstellung zu sehen. Sie wird von vier Wesen mit Flügeln eingekreist: ein Löwe, ein Stier, eine Menschengestalt und ein Adler. "Sie alle weisen auf die vier Evangelisten hin", erklärt Lys. Die Symbolik dieser Wesen habe ihren Ursprung im babylonischen Mythos, der ähnliche Gestalten kenne, weiß Lys aus einer alten Festschrift der Hülchrather Kirche.

Demnach weist jedes Wesen auf einen Evangelisten hin: Die Menschengestalt, genannt Naha, sei ein Hinweis auf das Matthäusevangelium. Denn dies beginnt mit dem Stammbaum der Menschen und somit soll die Gestalt auf die Menschwerdung von Gottes Sohn hinweisen. Der Stier erinnere an das Lukasevangelium, denn dieses werde mit der Verheißung des Täufers an Zacharias eröffnet - während er beim Opferfest ist. Der Stier steht also für den Opfertod. Der Flügellöwe beziehe sich auf den "Rufer aus der Wüste" im Markusevangelium. Somit weist er auf die Auferstehung hin. Der Adler (Nimueta) sei ein Hinweis auf das Johannesevangelium, da dort der Geist in der Höhe mit dem Adler verbunden werde. Somit bezieht sich der Adler auf die Himmelfahrt Christi.

(mre)