Grevenbroich: Auf Ecos Spuren im Kloster

Grevenbroich : Auf Ecos Spuren im Kloster

"Der Name der Rose" prägte das Bild eines düsteren, von Leidenschaften und Missgunst geprägten Klosterlebens. Heute wird Autor Umberto Eco 80 Jahre alt. Wir haben uns im Kloster Langwaden auf Ecos Spuren begeben.

Langwaden Es ist alles da: der Kreuzgang, das Scriptorium, die Bibliothek. Und doch ist alles anders. Es fehlt die Hässlichkeit, mit der Umberto Eco in "Der Name der Rose" das klösterliche Leben gezeichnet hat.

Reste der Silvester-Party

Der Langwadener Mönch, Bruder Aelred, hat seinen Namen gewählt, weil Aelred von Rievaulx seine berühmteste Schrift über die Freundschaft verfasste. "Wer in einer klösterlichen Gemeinschaft lebt, muss ein Freund sein können. Von seinen Mitbrüdern, von den Menschen, von Gott", sagt Aelred und lässt sich im Wohnzimmer der Langwadener Mönche in einem knarzenden Ledersessel nieder. Eine aufgerissene Kekspackung markiert den liebsten Leseplatz der Mönche. Auf der großen Holztafel hinter Bruder Aelred stehen die Reste der Silvester-Party. Im offenen Kamin zeugen Aschereste vom gemütlichen Feuer, in der Schallplattensammlung steht "Jesus Christ Superstar". "Hier sind wir Mensch, hier verbringen wir unsere Abende in geselliger Runde", sagt Bruder Aelred.

Der 45-Jährige lebt seit acht Jahren in der Langwadener Gemeinschaft. In seinem alten Leben hat er mal im Callcenter Tippgemeinschaften verkauft, jetzt verkauft er die Botschaften des Ordens. Als Gästebetreuer führt er Besucher durch das Kloster und erklärt, warum zehn Männer ein Leben hinter Klostermauern gewählt haben.

"Bei uns gibt es jedenfalls keine vergifteten Buchseiten", versichert Aelred und lacht. Das Buch von Umberto Eco ist ihm vertraut. Er führt jetzt in die Bibliothek, die wie die Zellen der Mönche und das Refektorium, im geschützten Teil des Klosters liegt. Bruder Franziskus tritt hinzu, die Bibliothek ist sein Reich. Umberto Eco? "Regal A17, da steht er ." Die Sammlung im ersten Stock des Klosters überrascht. Neben theologischen Bänden finden sich Krimis, Abenteuerromane und Biografien. Agatha Christie steht neben Günter Grass, neben Stephen King, neben Umberto Eco.

"Wer hat da eigentlich die Schauspieler für die Verfilmung ausgewählt?", fragt Bruder Franziskus. "Wenn ich den Film vor meinem Noviziat gesehen hätte, wäre ich nie ins Kloster eingetreten", sagt der 63-Jährige. Seit 34 Jahren lebt er in Langwaden, 16 000 Bücher betreut er in einem eigenwilligen Ordnungssystem. "Ich lese gerne Mankell — tolle Krimis", sagt Bruder Franziskus. "Bei mir sind es Science Fiction-Romane", sagt Bruder Aelred.

In der Bibliothek stehen Krimis

Ein Geheimnis in dieser so offenen Gemeinschaft muss es doch geben: Endlich, im Scriptorium, stehen vergilbte Bände — Bibelfassungen von 1700 mit kaum zu entziffenden Handschriften. Unprätentiös bläst Bruder Franziskus die Staubschicht von den Seiten und klopft sich die Kutte. "Die wurden wohl schon länger nicht mehr zur Hand genommen."

(NGZ/rl)
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