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Grevenbroich: Arzt-Praxis zu verschenken

Grevenbroich : Arzt-Praxis zu verschenken

Der Hausarzt Rainer Brenner sucht seit zwei Jahren nach einem Nachfolger für seine Praxis. Er versteht den Unmut seiner Kollegen nach den geplatzten Honorarverhandlungen mit den Krankenkassen. Von Streik aber hält er nichts.

Der lange Kampf ist für Rainer Brenner noch nicht zu Ende. Seit zwei Jahren sucht der Hausarzt aus Neukirchen händeringend nach einem Nachfolger für seine Praxis — und würde diese gar verschenken. "Es wird Zeit, dass ich etwas kürzer trete. Aber ich finde einfach keinen Nachfolger", sagt der 67 Jahre alte Allgemeinmediziner.

Sogar nach Griechenland, Russland und Polen streckte er schon seine Fühler aus. Auch dort winkten die Mediziner dankend ab: finanziell uninteressant. "Unser Tarifsystem gehört auf den Prüfstand", sagt er.

Rainer Brenner versteht den Unmut seiner Kollegen, die in den schwierigen Honorarverhandlungen mit den Krankenkassen nun Druck ausüben wollen. "Von einem Streik und von Praxis-Schließungen allerdings halte ich nichts", betont er. "Das widerspricht meinem Berufsverständnis."

Noch sind Praxis-Schließungen zwar kein Thema. Die niedergelassenen Ärzte wollen den Krankenkassen ihren Standpunkt aber klar machen: Formlose Kassenanfragen werden seit dieser Woche nicht mehr beantwortet, Bonushefte nicht ausgefüllt und Gespräche mit Kassenmitarbeitern nur vor 8 Uhr morgens und nach 20 Uhr abends geführt.

Damit reagieren die Kassenärzte auf die in Berlin geplatzten Honorarverhandlungen mit den Krankenkassen. Diese hatten den Ärzten eine Anhebung um 0,9 Prozent angeboten. In einem offenen Schreiben der Kassenärztlichen Vereinigung Nordrhein (KVNo) an ihre Mitglieder wird dies als "lächerlich" bezeichnet. Angesichts der Inflationsrate handle es sich in Wirklichkeit um eine Minusrunde.

Karin Hamacher, Pressereferentin bei der KVNo, sagt: "Der Frust bei den Ärzten ist groß." Das zeige sich an der bundesweiten Urabstimmung, die bis heute Abend von der Allianz Deutscher Ärzteverbände unter den niedergelassenen Ärzten durchgeführt wird. "Nach meinem Kenntnisstand haben sich viele Ärzte beteiligt", sagt Hamacher.

In der Urabstimmung wird die Bereitschaft zu weiteren Protestmaßnahmen abgefragt. Dazu zählen — möglicherweise als Ultima Ratio — auch Praxisschließungen. Dr. Dirk Heinrich, Sprecher der Allianz Deutscher Ärzteverbände, stellt in einer Mitteilung klar, dass mit den Aktionen die Kassen und nicht die Patienten getroffen werden sollen. Die Ergebnisse der Urabstimmung werden morgen vorgestellt. Peter Stöcker, Sprecher des KVNo-Kreisvorstandes, geht davon aus, dass sich viele Ärzte dem Protestaufruf anschließen.

Mehr Geld wäre auch ein gutes Signal für Rainer Brenners Suche nach einem Nachfolger für seine Praxis. Für den Mediziner aus Neukirchen steht fest: Ohne Nachfolger wird er nicht in Ruhestand gehen. "Ich kann die Patienten nicht im Stich lassen", sagt er.

(NGZ/rl/jco)