Grevenbroich: Architektin will das Heimweh lindern

Grevenbroich: Architektin will das Heimweh lindern

Was ihr rheinische Heimat bedeutet, merkte Anna Laura Hölz mit Beginn ihres Architekturstudiums in Münster. Jetzt hat die die junge Hülchratherin ihr Examen abgelegt und will auch zukünftig "identitätsstiftend und nachhaltig" arbeiten.

Architekten können Heimweh lindern. Beispielsweise mit der Idee, altes Baumaterial beim Bau neuer Häuser wiederzuverwenden. Davon jedenfalls ist Anna Laura Hölz aus Hülchrath überzeugt. In ihrer Masterarbeit beschäftigt sich die Architektin damit, wie Identität und Architektur miteinander im Kontext stehen. "Ein brisantes Thema", weiß die 26-Jährige mit Blick auf die Umsiedlung von Menschen wegen des Braunkohlentagebaus in ihrer Heimat. "Haben Häuser und Gebäude nichts Eigenes oder keinen Charakter, fällt Identifizierung schwer", weiß sie.

Mit der Examensarbeit übrigens erreichte sie an der Münster School of Architecture nicht alleine ihren Abschluss. "Meine Professorin hat die Arbeit bei einer Architekturzeitschrift eingereicht", berichtet die Hülchratherin - und prompt gewonnen. "Als sie das hörte, war ich wirklich aus dem Häuschen." Den Preis für die Erstplatzierung nahm sie zusammen mit ihrem Freund in Frankfurt am Main entgegen.

So ausgezeichnet geht es nun auf Bewerbungstour. "Zum Architekturstudium gab es eigentlich keine Alternative", sagt sie über ihre Berufswahl. Schon als Grundschülerin, damals besuchte sie die Grundschule Neukirchen, ging es für "eine Exkursion, na ja, damals war es wohl mehr ein Ausflug" Richtung Tagebau. "Das fand ich schon damals beeindruckend", und sie blieb am Ball. "Architektur war immer mein Traum". Letzte Zweifel nach dem Abi, das sie in Dormagen ablegte, räumte sie durch ein in Düsseldorf absolviertes Praktikum aus.

Was ihr ihre Heimat bedeutet, merkte sie, als sie nach Münster zum Studieren ging - "Architektur, Menschen und Kulturelles schaffen Vertrautheit und damit ein Heimatgefühl". Mit ihrem Fach und Baukultur könne viel Identitätsstiftendes bewirkt werden, "das ist grundsätzlich wichtig für jeden ländlichen Raum": Diese Regionen müssen attraktiv gehalten werden, um so auch Großstädte zu entlasten. "Ein interessantes, weil auch gesellschaftlich relevantes Thema", begeistert sie sich für Ideen, die nicht bloß um "Hülle und Funktion kreisen, das ist oft kahl und kühl", sondern eben langfristig gedacht sind. "Dörfer müssen ja auch in 50 Jahren noch funktionieren und lebenswert sein, das täte ganzen Regionen gut." Ganz wichtig dafür ist nach ihrer Meinung der jeweilige Ortskern. "Der muss attraktiv sein, denn er ist die größte Identitätsfläche", viel Leerstand - wie in Grevenbroich entlang der Innenstadt - nehmen den "local spirit", wie die Fachfrau weiß. Und gäbe es beispielsweise in Grevenbroich wie in Münster den sogenannten Gestaltungsbeirat, der aus renommierten Architekten besteht und sich in Städtebauliches einbringt, wäre manches schöner.

Jenseits der Architektur liebt Anna Laura Hölz es zu fotografieren. "Das mache ich gerne", dank eines interdisziplinären Kurses an der FH brachte das Thema "sozialkritische Fotografie" sie auf die Idee, Dörfer und deren Veränderung zu dokumentieren. "Das mache ich gerne, aber nicht professionell", winkt sie bescheiden ab. Lässt es ihre Zeit zu, trifft sie sich mit Freunden zum Kochen. Gerne italienisch oder fürs Quäntchen Heimatgefühl gutbürgerlich.

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