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Archäologie in Grevenbroich: Forscher entdecken ​Agenten-Funkgerät im Tagebau

Rheinisches Revier : Forscher finden Agenten-Funkgerät aus Kaltem Krieg im Tagebau

Am Samstag präsentieren Archäologen in Titz zahlreiche Funde aus dem Rheinischen Revier. Besonders kurios: Ein Agenten-Funkgerät aus der Zeit des Kalten Krieges. Was es damit auf sich hat und was sonst noch alles gefunden wurde.

Es hat ein bisschen was von James Bond. Im Tagebau Hambach, nur wenige Kilometer von Grevenbroich entfernt, wird ein sowjetisches Agenten-Funkgerät aus der Zeit des Kalten Krieges gefunden. Erich Claßen, Leiter des LVR-Amtes für Bodendenkmalpflege im Rheinland, spricht sogar davon, dass dieser Fund weltweit eine totale Seltenheit sei. „Natürlich haben wir viele Relikte aus den 70er- und 80er-Jahren, die auch hin und wieder bei den Ausgrabungen auftauchen. Aber so ein Objekt, das sich konkret auf die Geschehnisse im Kalten Krieg festlegen lässt, das gibt es faktisch nicht. Das ist schon verrückt“, so Claßen.

Dass sich das Funkgerät so eindeutig identifizieren ließ, lag vor allem daran, dass es sich in einem tadellosen Zustand befindet, da es teilweise noch in Folie verpackt war und sich in einem luftdicht verschlossenen Aluminium-Behälter befand. „Wir gehen deshalb davon aus, dass es ein Ersatzgerät war“, sagt Claßen. Aus diesem Grund war auch die russische Beschriftung noch gut zu erkennen, die sich in identischer Art und Weise auch auf Checklisten von vergleichbaren Geräten finden lässt, die ebenfalls von Agenten zu Spionagetätigkeiten während des Kalten Krieges benutzt wurden. Ein weiteres Indiz ist eine Markierung auf den Armaturen des Funkgeräts. Dort lässt sich das Herstellungsjahr erschließen: 1987, die Spätphase des Kalten Krieges.

 Die Tagebaubetriebe unterstützen die Archäologie zum Beispiel mit Baggern. Hier wurde der Grundriss einer römischen Villa freigelegt.
Die Tagebaubetriebe unterstützen die Archäologie zum Beispiel mit Baggern. Hier wurde der Grundriss einer römischen Villa freigelegt. Foto: T. Dujmovic/T. Dujmovic/ LVR
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Warum das Agenten-Funkgerät (Reichweite: circa 1200 Kilometer) in der unmittelbaren Nähe des Tagebaus vergraben wurde, könnte laut Claßen an zwei verschiedenen Gründen liegen: „Entweder hat es jemand versteckt, in der Zeit, in der er noch Spionagetätigkeiten ausübte, oder es stand als Ersatzgerät zu Hause und wurde zum Ende des Kalten Krieges schnell entsorgt.“ Fest steht in jedem Fall, dass es damals im „Rheinischen Revier“ eine Vielzahl an Spionen gegeben haben muss, allein schon durch die Nähe zur ehemaligen Bundeshauptstadt Bonn, dem Atomversuchsreaktor in Jüllich, dem Fliegerhorst Nörvenich oder dem ehemaligen belgischen Nato-Militärstandort in Grevenbroich.

Da sich das Funkgerät in einem tadellosen Zustand befindet, geht man zudem davon aus, dass es noch voll funktionsfähig ist, auch wenn man dies wohl bisher nicht ausprobiert hat. An dieser Stelle können die Verantwortlichen des LVR jedoch auch nur mutmaßen, da sich das Gerät aktuell zu Untersuchungszwecken beim Bundeskriminalamt befindet und unmittelbar nach dem Fund vom Militärischen Abschirmdienst eingesammelt wurde.

 Im Tagebau Hambach konnten Archäologen den Brunnen eines römischen Landgutes bis auf die Sohle ausgraben.
Im Tagebau Hambach konnten Archäologen den Brunnen eines römischen Landgutes bis auf die Sohle ausgraben. Foto: M. Zanjani/M. Zanjani/ LVR

Den Verantwortlichen des LVR wurde aber zugesagt, dass das Agenten-Funkgerät am kommenden Samstag, 20. August, beim Tag der offenen Tür in der LVR-Außenstelle in Titz (siehe Infobox) wieder zurückgebracht wird und in die dortige Ausstellung aufgenommen werden kann, bevor es wenige Tage später an das LVR-Landesmuseum in Bonn weitergegeben wird.

 Im Braunkohlerevier wurde auch ein Kinderschuh ausgegraben.
Im Braunkohlerevier wurde auch ein Kinderschuh ausgegraben. Foto: Nick Deutz

In Titz werden am kommenden Samstag aber nicht nur Tagebau-Funde aus der jüngeren Geschichte präsentiert, sondern auch vor- und frühgeschichtliche Funde, beispielsweise aus der Zeit des Römischen Reichs. So fanden die Archäologen in einem Brunnen im Tagebau Hambach unter anderem einen seltenen Schuh, der einem zweijährigen Kind gehört haben muss. Aus Abnutzungsspuren an der Sandale konnten die Wissenschaftler zudem erkennen, dass das Kind schon eine ganze Weile laufen konnte.

Ein weiterer besonderer Fund ist ein prähistorischer Kreisgraben im Tagebau Inden, der an eine Art Tempel erinnert und den Achäologen momentan noch einige Rätsel aufgibt.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Forscher finden Agenten-Funkgerät im Tagebau bei Grevenbroich