Grevenbroich: Archäologe schreibt die Stadtgeschichte neu

Grevenbroich: Archäologe schreibt die Stadtgeschichte neu

Erste Ergebnisse der Schlossbad-Grabungen datieren die frühen Siedlungsspuren um weitere Jahrhunderte zurück. Grabungsleiter Horst Husmann stuft die Funde als "absolut außergewöhnlich" ein.

Die rund 2,5 Millionen Euro Zusatzkosten und der einjährige Baustopp für das Schlossbad wegen der vielfachen archäologischen Funde werden einen Mehrwert für Grevenbroich mit sich bringen. Die Stadtgeschichte wird nämlich nun doch in Teilen neu geschrieben und um einige Jahrhunderte weiter zurückdatiert werden müssen: Das bestätigt Grabungsleiter Horst Husmann auf Nachfrage unserer Redaktion.

Husmann hat jetzt bei der Jahresanfangstagung "Archäologie im Rheinland" des Landschaftsverbandes einen Vortrag über die von ihm als "absolut außergewöhnlich" eingestuften Funde in Grevenbroich gehalten. Dieser Vortrag soll auch als Aufsatz im November im Jahrbuch des Landschaftsverbandes veröffentlicht werden. Der komplette Abschlussbericht der Grabung steht laut Horst Husmann zwar noch aus. Er kann aber heute schon sagen: "Mit den Funden von der Schlossbad-Baustelle werden sich künftig sicherlich viele Studenten in ihren Bachelor- und Masterarbeiten befassen."

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So viel kann der Archäologe jetzt nach der ersten wissenschaftlichen Sichtung und auch dendrochronologischen Untersuchung der ausgegrabenen Gründungspfähle bereits feststellen: Nachweislich habe es eine Mühle in der Erft-Aue an der Stelle, wo das Schlossbad neu gebaut wird, gegeben. Die gefundenen Mühlenreste werden laut Husmann auf das Jahr 1273 datiert, wobei aber auch noch ältere Bauteile gefunden wurden. Die ausgegrabenen Keramikscherben seien auf die Römerzeit, das erste und zweite Jahrhundert, zu datieren, es gebe aber auch Funde aus dem sechsten bis achten Jahrhundert. Die hölzernen Siedlungsreste stammten aus dem Hoch- und Spätmittelalter. Gut ablesbar seien die Spuren vom mindestens einem gewaltigen Hochwasser, das die frühe Besiedlung Grevenbroichs erheblich in Mitleidenschaft gezogen haben müsse. Eindeutig sei die Erft-Aue trotz dieser Überflutungen aber schon weitaus früher besiedelt gewesen, als man es bislang angenommen habe, fasst der Archäologe das Grabungsergebnis zusammen. Teile der frühen Siedlungsbefestigung von Grevenbroich, die nicht mit dem großen Fundus von mehr als 900 Einzelstücken an das Landesmuseum Bonn übergeleitet wurden, ruhen noch gut und dick in Folien eingewickelt im Keller der Villa Erckens. Denn Stadtarchivar Thomas Wolff würde diese Holzpfähle eines Tages allzu gerne in die Dauerausstellung integrieren, die bekanntlich einen Raum auch der Siedlungsgeschichte der Stadt wiedmet. Aber es fehle der Stadt Grevenbroich das nötige Geld für die fachgerechte Konservierung der Gründungspfähle, bedauert Wolff.

Die Hölzer haben zwar tief in den Morast eingebettet viele Jahrhunderte der Siedlungsgeschichte überdauert. Sobald sie von den Archäologen ans Tageslicht geholt wurden, mussten sie aber in Wassergefäßen eingelagert werden, weil sie sonst regelrecht zerbröselt wären. Die im Archiv des Bonner Landesmuseums eingelagerten Holzfunde aus Grevenbroich liegen denn auch alle im Wasser, wie Grabungsleiter Horst Husmann weiß. Dort sei aber eine fachgerechten Konservierung geplant. Gelohnt hätten sich für die Archäologen die Grabungen in Grevenbroich auf jeden Fall, wie es laut Husmann bereits die ersten Ergebnisse zeigten. Und für die Stadtgeschichte gebe es jetzt ebenfalls eine Menge neuer Forschungsansätze.

(NGZ)
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