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Grevenbroich: Apotheke mit kaiserlichem Besuch

Grevenbroich : Apotheke mit kaiserlichem Besuch

Heute ist der Tag der Apotheke. In Wevelinghoven steht eine der ältesten Apotheken der Stadt. Sie hat eine spannende Geschichte mit kaiserlichem Besuch. Und die Straße "Apothekerpfädchen" wurde wegen ihr so benannt.

Der Fußmarsch über den schmalen Weg konnte ganz schön beschwerlich sein. Es wurde gehustet und geschnieft – und dann noch diese Gliederschmerzen! "Apothekerpfädchen" heißt die kleine Straße im Neubaugebiet Kapellen heute, und dieser Name ist historisch begründet: Einst verlief dort ein schmaler Trampelpfad, der die Bewohner aus Kapellen und Glehn zur nächstgelegenen Apotheke führte: nach Wevelinghoven. In der Gartenstadt weist eine Tafel noch immer auf die frühere Nutzung des Hauses an der Oberstraße 8 hin. Dort befand sich die alte Apotheke in Wevelinghoven.

Axel Walraf kennt die vielen Geschichten über das Ende des 18. Jahrhunderts errichtete Gebäude. Sein Großvater Balthasar Walraf kaufte es 1925 der Familie von Gustav Cosack ab, die Apotheke wurde dann allerdings erst mal im Nachbarhaus untergebracht. Beim Schränkeverrücken tauchte ein altes Schild auf, das viel über die damalige Zeit verrät. "Das eine merke dir, wenn du eintrittst hier, Hut ab, rauche nicht und lass das Schwatzen", stand darauf. Axel Walraf schmunzelt, wenn er daran denkt. Und dann berichtet er, wie der Beruf des Apothekers zu Großvaters Zeiten aussah. "Es wurde ja noch sehr viel selbst hergestellt. Dazu bedurfte es Stille und Konzentration", sagt er. Und das Rauchverbot war keine Vorgabe einer Regierung, sondern ganz praktisch begründet: Beim Herstellen der Medizin wurden Kräuter verwendet, in der Apotheke roch es nach ätherischen Dämpfen. Zigaretten- und Zigarrenqualm wären da störend gewesen.

So konnten sie auch nicht unangenehm in der Nase von Kaiserin Augusta Victoria kitzeln. Als ihr Gatte Kaiser Wilhelm I. 1884 in Wevelinghoven ein Manöver abhielt, überkam Augusta Victoria ein allzu menschliches Bedürfnis: Sie musste dringend auf die Toilette. Kurzum benutzte sie das stille Örtchen in der alten Apotheke. So besagt es zumindest die Legende. Auch Axel Walraf kennt diese Geschichte.

Wie sein Großvater und sein Vater ist er ebenfalls Apotheker geworden. Axel Walraf war es, der 2009 den Umzug an den Markt beschloss. Die alte Apotheke ist den Gartenstädtern als markantes Gebäude erhalten geblieben, und das "Apothekerpfädchen" liegt heute in einem modernen Wohngebiet. Die Seitenstraßen wurden dort nach Heilkräutern benannt. Mistelweg. Melissenweg, Malvenweg. Auch das ist ein Verweis auf die vergangene Zeit, die übrigens erstaunlich sichtbare Spuren hinterlassen hat: Wer einmal einen Rundflug über Grevenbroich unternommen hat, konnte den alten Trampelpfad sehr genau aus der Luft sehen. Auf diese Weise entstand auch die Idee, die kleine Straße in Kapellen mit "Apothekerpfädchen" zu benennen.

Der Vorstoß stammte von Willy Viehöver. Der geschichtsinteressierte Grevenbroicher und frühere Wirt der Traditionsgaststätte Vierwinden hatte den Vorschlag seinerzeit an die Ratspolitiker herangetragen. Denn: "Es ist wirklich wichtig, dass solche Bestandteile unserer Geschichte nicht einfach vergessen werden, sondern für die Nachwelt erhalten bleiben", sagte Viehöver. Das kam an. Im Februar 2006 beschloss der Rat, eine Straße nach dem alten Pfad zu benennen.

(NGZ)