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Grevenbroich: Anlaufstelle für Frauen in Not

Grevenbroich : Anlaufstelle für Frauen in Not

Frauen in Krisensituationen können ab sofort die Grevenbroicher Dependance der Neusser Frauenberatungsstelle nutzen. Immer mehr Frauen suchen Hilfe – die meisten leiden unter Gewalt.

Frauen in Krisensituationen können ab sofort die Grevenbroicher Dependance der Neusser Frauenberatungsstelle nutzen. Immer mehr Frauen suchen Hilfe — die meisten leiden unter Gewalt.

Schläge, psychische Bedrohung, Beleidigungen oder finanzieller Druck — einige Gesichter von Gewalt gegen Frauen. Im Jahresbericht 2010 der Frauenberatungsstelle Neuss sind 638 Hilfesuchende aufgelistet — fast ein Viertel kommt aus Grevenbroich, Jüchen oder Rommerskirchen. Ein Grund, jetzt für sie den Weg zu Information und Beratung zu verkürzen: Gestern wurde im Kreiskrankenhaus St. Elisabeth eine neue Anlaufstelle eröffnet. Jeden Donnerstag ist dort Martha Stein, Psychodramaleiterin und Mitarbeiterin der Beratungsstelle, anzutreffen.

Rund die Hälfte aller Frauen, die die Frauenberatungsstelle aufsuchen, leiden unter unterschiedlichsten Formen von Gewalt, meist durch den Partner. Warum die Arbeit der Beraterinnen auch in Zukunft unverzichtbar ist, erläutert Geschäftsführerin Janne Gronen: "Wir werden es nicht schaffen, häusliche Gewalt verschwinden zu lassen. Aber wir können den Frauen konkrete Hilfe in der Krise bieten und als Gesellschaft Position beziehen, dass wir Gewalt ablehnen."

Ein heller Raum im Erdgeschoss des Schülerinnenwohnheims am Ziegelkamp 1e: Hier ist Martha Stein (52) künftig jeweils donnerstags von 9 bis 13 Uhr anzutreffen. Weiße Wände, ausdrucksstarke Bilder in Rot- und Orangetönen von Janne Gronen an den Wänden, Licht aus einer Papierlampe, ein roter Teppich: "Wir wollten einen Raum schaffen, in denen sich die Besucher wohlfühlen", erläutert Martha Stein. Sie arbeitet als Beraterin mit einem besonderen Schwerpunkt: Mit der psychotherapeutischen Methode des Psychodramas versucht sie, traumatisierten Frauen zu helfen: "Die meisten Frauen, die Gewalt erfahren haben, sind traumatisiert. Durch Psychodrama können sie seelische Bilder darstellen und so ihr Trauma überwinden." Der Weg aus dem Trauma sei meist kein schneller Weg: Oft sind mehrere Einzelberatungen nötig, die sich über einen längeren Zeitraum erstrecken können.

Die Zahl der Frauen, die etwa die Einzelberatung nutzen, steigt seit 2002 kontinuierlich an. Suchten vor zehn Jahren 496 Frauen Hilfe, waren es 2010 schon 638 Frauen. Und Janne Gronnen rechnet damit, dass diese Zahlen in Zukunft noch ansteigen werden. "Vielleicht auch, weil sich der Umgang mit dem Thema Gewalt verändert hat. Heute sind es oft Verwandte oder Nachbarn, die den Opfern Mut machen, an ihrer Situation etwas zu ändern."

Wodurch Gronen (55) immer wieder motiviert wird: durch die Frauen, die Rat suchen. "Wenn eine Migrantin zu ihrem Mann sagt: ,Du darfst mich nicht schlagen. Wir sind in Deutschland und hier ist das verboten' — dann weiß ich, was wir erreicht haben."

(NGZ)