Grevenbroich: Angst vor Riesen-Windrädern

Grevenbroich: Angst vor Riesen-Windrädern

Das Land NRW will mehr Windräder, auch in Grevenbroich. Die SPD fürchtet 80 neue Riesen-Anlagen. Bei der Stadtverwaltung fragen immer wieder Investoren an. Sie will jetzt mögliche Standorte prüfen lassen.

Das Land NRW plant, die Windenergie auszubauen — auch in Grevenbroich, bekannt als "Bundeshauptstadt der Energie". Rainer Thiel, Chef der SPD-Kreistagsfraktion, rechnet für Grevenbroich mit einem Wald von Windrädern: "Nach dem NRW-Klimaschutzgesetz soll der Anteil der erneuerbaren Energie bis 2030 von drei auf 15 Prozent steigen." Für Grevenbroich rechnet er vor: "Statt jetzt 20 Windräder müsste es hier hundert geben." Ausreichend Fläche bietet wohl nur der Tagebau.

"Die Nachfrage ist groß"

Grevenbroich gehört seit den 90er Jahren zu den Pionieren auf dem Gebiet der Windenergie. Damals drehten sich die ersten Rotorblätter auf der Vollrather Höhe; dort steht inzwischen ein Windpark mit aktuell 13 Anlagen. Sieben Windräder drehen sich auf dem Testgelände der Firma "Windtest". Das Interesse an weiteren Anlagen ist groß: "Mehrmals pro Woche fragen Investoren an, die Standorte für Windräder oder Solaranlagen suchen", sagt Stadtsprecher Andreas Sterken.

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Was bedeuten die aktuellen Vorgaben des Landes für die Stadt Grevenbroich: Droht eine Invasion der Windkraft-Riesen, muss jetzt Platz für 80 neue Windräder gefunden werden? "Nein", sagt Frank Seidlitz, Pressesprecher des Landes-Umweltministeriums auf Anfrage unserer Zeitung. Er erläutert die Zusammenhänge: "Es ist richtig, dass nach dem ,Windenergie-Erlass' der Anteil von Windkraftanlagen auf 15 Prozent gesteigert werden soll."

Daraus ließen sich aber keine verbindlichen Zahlen für einzelne Kommunen ableiten: "Die Stadt Grevenbroich kann entscheiden, welche Projekte am besten geeignet sind, um dieses Ziel zu erreichen." Ziel der Landesregierung sei es nicht, mehr Windräder aufzustellen, sondern die bestehenden Anlagen zu modernisieren: "Alte Windräder sind teilweise nur 70 bis 100 Meter hoch. Doch neue Anlagen sind 150 Meter hoch und arbeiten natürlich viel effizienter", so der Ministeriumssprecher. Schwierig sei die Suche nach Flächen, die für die Windernergie-Ausbeute sinnvoll sind. Einfach zu finden seien diese in den Gebieten, in denen der Orkan Kyrill Schäden hinterlassen habe.

Windenergie wird 2012 ein aktuelles Thema für Grevenbroich bleiben: Dann soll eine Flächen-Analyse gemacht werden, um geeignete Standorte für Windräder zu finden. Auch hier keine einfache Suche, denn die Areale müssen bestimmte Voraussetzungen erfüllen, "etwa Richtungen und Stärke des Windes, ausreichenden Abstand zu Wohngebieten und zu Hochspannungsleitungen", sagt Andreas Sterken.

(NGZ/rl/jco)
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