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Altenheime in Grevenbroich während Coronakrise: Besuche nicht erlaubt

Corona-Krise : Altenheime: Besuche nicht mehr erlaubt

Sie gehören schon allein wegen ihres Alters zu den gefährdeten Personengruppen in der Corona-Krise – die Bewohner der Seniorenzentren. In den vergangenen Tagen wurden die Zugangsbeschränkungen nochmals zum Schutz der Menschen verschärft.

Galt etwa im Haus St. Martinus der St. Augustinus-Gruppe in Wevelinghoven noch die „Vier-mal-eins-Regel“ – ein Bewohner durfte maximal einen engsten Angehörigen am Tag für eine Stunde im eigenenZimmer empfangen –, so setzt der aktuelle Landes-Erlass engste Grenzen. Besuche sind in allen Seniorenzentren fast nur noch für medizinische Versorgung und Pflege möglich. Ausnahmen gibt es etwa – unter Schutzmaßnahmen – für engste Angehörige von sterbenden Menschen.

Corona-Infektionen wie bei Bewohnern und Mitarbeitern im St. Hubertusstift in Neuss wurden für Grevenbroicher Heime bislang nicht gemeldet. Aber auch hier verändert sich der Alltag, können Senioren ihre Lieben nicht mehr empfangen. Die Mitarbeiter beispielsweise im Haus St. Martinus sorgen mit Alternativangeboten für Abwechslung. Das Bewegungstraining findet nicht mehr in einer größeren Gruppe, sondern in vier Kleingruppen hintereinander statt. Zwischen den Senioren bleiben Stühle frei. „Das ist schon eine Umstellung, auch weil wir so viel Abstand voneinander halten müssen“, sagt Betreuungsassistentin Manuela Surlemont. Sing-Runden gibt es und Gottesdienste per Fernsehübertragung. Auch Spazierengehen bleibt im Programm. „Statt vor die Tür gehen wir jetzt halt in unseren Innenhof und auf die Terrassen. Wir machen mit Sicherheit das Beste aus der Situation“, sagt Einrichtungsleiterin Nadja Pienkowski. Auch der Kontakt zu Angehörigen muss nicht abreißen. „Wir bieten zum Beispiel Videogespräche via Skype.“

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„Die Bewohner sind nicht in ihre Zimmer verbannt“, betont Christian Schimmelpfennig, Leiter des Albert-Schweitzer-Hauses des Diakonischen Werkes. „Sie können einzeln spazieren gehen“, die Mahlzeiten könnten sie gemeinsam einnehmen. „Das ist wichtig für das soziale Leben, wie in einer Familie.“ Bei übrigen Angeboten „gehen wir jetzt verstärkt auf Einzelbetreuung. Der Alltag ist eingeschränkt, ist anders – aber die Stimmung ist gut“, sagt Schimmelpfennig, der von einem „tollen Einsatz“ der Mitarbeiter spricht.

Auch im Seniorenzentrum Lindenhof, ist, wie Leiterin Iris Baldus berichtet, in dieser Woche Einzelbetreuung bei Freizeitangeboten angesagt. Vieles ist im Fluss, immer wieder ist Neues zu beachten. „Zurzeit kläre ich mit den Hygienikern des Krankenhauses, ob und wie wir neue Bewohner aufnehmen können“, sagt Baldus, das Heim gehört zum Rheinland-Klinikum. Zu beachten ist natürlich auch der Ansteckungsschutz zwischen Bewohner und Personal. Bei der Pflege würden Mitarbeiter etwa Mundschutz tragen, erklärt Baldus. „Schutzkleidung ist vorhanden“, sei aber endlich, so Schimmelpfennig im Albert-Schweitzer-Haus. „Wir warten auf die vom Land versprochene Schutzkleidung.“

Und was sagen Bewohner? „Ich bin voller Zuversicht und lasse mich nicht erschüttern“, erklärt Marika Radermacher (77) im Haus St. Martinus, „die Mitbewohner sind sehr kontaktfreudig, und hier laufen schöne Angebote.“ Bei Demenzkranken aber „ist es schwierig zu erklären, warum die Lieben nicht kommen“, weiß Iris Baldus – auch im Lindenhof ist angedacht, Verbindungen per Skype zu schaffen.