„Tag des offenen Denkmals“: Alte Mühle wird ein Schmuckstück

„Tag des offenen Denkmals“: Alte Mühle wird ein Schmuckstück

Von Wiljo Piel

Von Wiljo Piel

Wassermühle ist am Sonntag eine der Stationen beim "Tag des offenen Denkmals": Seit dem Jahr 2000 saniert die Familie Antons das Gebäude, das erstmals im 14. Jahrhundert erwähnt wurde. Die Arbeiten sind weit fortgeschritten. Es wird deutlich: die Mühle wird ein Schmuckstück. Die Familie Antons - hier Mutter Ruth mit Sohn Udo - arbeitet bereits seit geraumer Zeit an der Sanierung der alten Gustorfer Wassermühle. Mittlerweile ist das Projekt sichtbar vorangeschritten. NGZ-Fotos (2): H. Jazyk

Die alte Wassermühle ist ein Stück Grevenbroicher Geschichte. Erstmals 1386 urkundlich erwähnt, wurde das Gemäuer im Laufe der Jahrhunderte zwar mehrfach zerstört, doch immer wieder aufgebaut. Bis zum Jahr 1961: Am 4. November wütete dort ein Feuer, dem der größte Teil der Anlage zum Opfer fiel. Nur das Müllerhaus und das Mühlengebäude blieben übrig.

Zwar gab es in den vergangenen Jahrzehnten immer wieder Bestrebungen, die vom Verfall bedrohten und unter Denkmalschutz gestellten Bauwerke zu sanieren, richtig angepackt wurde das Projekt aber erst, als Edith und Klaus Antons aus Rosellerheide das 16 500 Quadratmeter große Areal erwarben.

Zusammen mit ihren Söhnen, dem Ingenieur Udo und dem Bauunternehmer Stephan Antons, machten sie die Sanierung zur Familiensache. Gemeinsam wurde das Vorhaben angepackt, mit eigenen Kräften, Mitteln und Maschinen. Die Arbeiten sind weit fortgeschritten, die ersten Räume beinahe schon bezugsfertig.

Beinahe schon bezugsfertig: Unter dem Dach des historischen Müllerhauses wird eine urige Wohnung eingerichtet.

Buchstäblich in letzter Minute konnte das alte Müllerhaus gerettet werden: Das Gebäude aus dem Jahr 1749 stand auf mächtigen Eichenpfählen, die neun Meter tief ins sumpfige Erdreich getrieben worden waren. Nach den Grundwasserabsenkungen faulte das Holz, das neun Meter hohe Haus sackte ab

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. "Wir haben das Gebäude komplett auf Beton gegründet. Es ist wieder stabilisiert", erklärt Udo Antons. Und nicht nur das: Ein neuer Dachstuhl wurde gebaut, das Innere entkernt und die Außenmauern mit dem Dampfstrahler wieder ansehnlich gemacht. Auch neue Fenster wurden eingebaut. Hier soll einmal ein Restaurant oder Café eingerichtet werden.

"So etwas bietet sich an, schließlich liegt die Mühle in einem Naherholungsgebiet. Wir suchen derzeit nach einem Pächter", so Antons weiter. Unterm Dach des Müllerhauses sind die Arbeiten weit fortgeschritten: Dort wurde eine Wohnung mit Bad, Küche und Büro eingerichtet. Überall wurden dicke Wärmedämmplatten eingezogen, eine mit Rapsöl betriebene Blockheizanlage wird künftig für wohlige Wärme und heißes Wasser sorgen.

In dem hohen Mühlengebäude, das 1961 bis auf den Keller abbrannte, hat sich ebenfalls viel getan. Neue Etagen wurden gebaut, unter dem Dach hat sich Udo Antons ein Ingenieurbüro eingerichtet, das von drei kleinen Balkonen aus einen herrlichen Blick über Gustorf und den Bend bietet. Auf den einzelnen Etagen, die per Treppenhaus und einem Aufzug erschlossen wurden, sollen voraussichtlich Büros eingerichtet werden, auch hierfür werden noch Interessenten gesucht. "Es ist auch denkbar, dass hier ein Veranstaltungsraum für die Gastronomie eingerichtet wird", meint Udo Antons.

Besonders reizvoll: Dieser Saal könnte einen Zugang zum Flachdach des Turbinengebäudes erhalten, das gleich oberhalb des Mühlenkolks liegt. "Dort könnte ich mir beispielsweise eine tolle Außengastronomie vorstellen", so Antons.

Die Francis-Turbine aus den 1930-ern, die seit gut 50 Jahren still liegt, soll wieder sichtbar gemacht werden. Die Familie plant den Einbau eines großen Fensters, das Neugierigen einen Blick auf die alte Technik gewähren soll. "Vielleicht bekommen wir die Turbine sogar mal wieder ans Laufen", meint Vater Klaus unternehmungslustig.

Für die Antons' gibt es noch allerhand zu tun, aber: "Wir wollen uns nicht unter Druck setzen, daher steht ein Fertigstellungstermin auch nicht fest. Wir arbeiten hier schließlich nur in unserer Freizeit", berichtet Udo Antons, der bei dieser Gelegenheit auch die gute Zusammenarbeit mit der Denkmalbehörde erwähnt: "Es ist phantastisch, wie wir unterstützt werden." Schließlich haben beide Seiten etwas von der Sanierung: Die Familie Antons und die Stadt, der auf diese Weise ein historisches Schmuckstück erhalten bleibt.

INFO: Wasserräder Neben dem Müllerhaus besteht die Anlage aus Silo, Mühlengebäude und Turbinenhaus, die aus dem Jahr 1913 stammen. Damals wurde die Mühle noch mit zwei Wasserrädern betrieben, die in den 1930-er Jahren durch eine Turbine ersetzt wurden. Ältestes Gebäude ist das Müllerhaus, das aus dem Jahr 1749 stammt.

(NGZ)
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