Grevenbroich: Als die Stadt noch pulsierte

Grevenbroich : Als die Stadt noch pulsierte

Historische Fotografien und alte Adressbücher künden von hochwertigem Branchenmix und einer belebten Geschäftswelt in Grevenbroich.

Geschäftsleerstände - das war für Grevenbroich mal ein Fremdwort: Lange ist's her. Wo heute die zunehmenden, oft sogar Langzeitleerstände in der Innenstadt, wenn überhaupt, nur allmählich wieder gefüllt werden, da herrschte einst ein guter Branchenmix mit hochwertigen Geschäften vor. Davon künden historische Fotografien, die das Stadtarchiv aufbewahrt. Und dazu erzählen alte Adressbücher aus Grevenbroich Geschichte(n).

An der Kaufkraft, gemessen an der Einwohnerzahl, kann es nicht gelegen haben und heute liegen, dass sich der Einzelhandel so negativ entwickelt hat: Zählt Grevenbroich heutzutage knapp 64.000 Einwohner, so waren es im Jahr 1932 nur 12.300, im Jahr 1964 zur Wirtschaftswunderzeit lebten 25.000 Bürger in der Stadt, und 1971 waren es 20.641 - und aus diesen Zeiten geben die im Stadtarchiv einsehbaren Adressbücher den lebendigen Handel und Wandel in der Stadt wieder.

Interessant: Bei den Namen stehen noch bis in die 70er Jahre hinein auch die Berufe und sonstige persönliche Angaben, wie Invalide oder Witwe, Schwesternschülerin, Professor, Bademeister oder Haushälterin. Schon 1932 tauchen angestammte Geschäftsnamen wie etwa das Bekleidungshaus Schlangen an der Breite Straße auf, die im Adressbuch auch gleichzeitig mit Anzeigen für sich werben. Da heißt es zum Beispiel: "Wollen Sie gut gekleidet gehen? Dann nur Maßarbeit." Oder die Geschwister Packenius werben für ihr Geschäft an der Kölner Straße mit einer "reichhaltigen Auswahl in Herren-Artikeln, solide Strümpfe und Unterzeuge, billigste Preise und reelle Bedienung."

Etliche Grevenbroicher Geschäfte rühmen sich auch des "Alleinverkaufs" für bestimmte Markenartikel, wie etwa das Geschäft Löwenstein an der Kölnerstraße für die Kübler-Strick-Fabrikate, oder noch bis in die 70er Jahre hinein etwa das Schuhhaus Hamers mit der Schuhmarke Salamander. Auch das zu seiner Zeit große Kaufhaus Hömberg an der Ecke Breite Straße/Markt wirbt nicht nur im Adressbuch für sich. Es gibt dort, wie es auch bis in die 1960er Jahre hinein noch weitere Geschäftsleute tun, die Kontonummer des Kölner Postcheckkontos an. Bei Friedrich Hömberg können die Grevenbroicher in den 1930er Jahren im Kaufhaus Kleidung jeder Art erwerben. Auch weitere bekannte Namen von einheimischen Geschäftsleuten, wie die Buch- und Musikalienhandlung Istas, Uhren Poser, oder Möbel Bodewig tauchen schon früh in den Verzeichnissen auf.

Die Kölner Straße ist auch traditionell ein Ort für die Caféhaus- und Eisdielenbesuche, wie sie es bis zum heutigen Tage geblieben ist. Etwa Maria Zervos wirbt in den 60er und 70er Jahren für ihr Konditorei-Café, an der Kölner Straße wo sich übrigens zu dieser Zeit auch Samen Schläger ins Grevenbroicher Adressbuch eintragen ließ, deren Geschäftstandort in jüngster Vergangenheit lange leer stand, bis jetzt ein Textilgeschäft dort einzog.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Historische Bilder aus Grevenbroich

(NGZ)
Mehr von RP ONLINE