Grevenbroich: Als der Flugpionier abstürzte

Grevenbroich: Als der Flugpionier abstürzte

In den vergangenen 100 Jahren sind in Grevenbroich mehrfach Flugzeuge abgestürzt oder mussten notlanden. So zerschellte 1971 ein Starfighter, und 1913 starb der damals bekannte Luftfahrtpionier Paul Senge bei einem Absturz.

Ein damals deutschlandweit bekannter Flugpionier stürzte mit seiner Maschine im September 1913 bei Grevenbroich ab; 1924 muss ein Doppeldecker bei Allrath neben dem Friedhof notlanden; 1971 verliert ein Pilot die Kontrolle über seinen Starfighter und schlägt kurz hinter Allrath mit riesigem Feuerball und großer Rauchwolke auf den Boden. Das ist schon eine ungewöhnliche Häufung von Flugzeugunglücken in Grevenbroich.

Der 22-Jährige Pilot überlebte das Unglück nicht. Foto: Familienarchiv Herlitz

Der letzte Fall ist sogar von einem Augenzeugen dokumentiert. Der damalige NGZ-Redakteur Hans Erkens war live dabei, als der Starfighter abstürzte. Erkens berichtet lebhaft. Er war gerade in einer Werkhalle unterwegs und hatte freien Blick Richtung Allrath: "Aus dem Raum Hoeningen-Widdeshoven brausten zwei Starfighter heran, von denen einer über das Werk hinwegflog. Der andere Starfighter flog verhältnismäßig niedrig, so etwa zwischen Barrenstein und Allrath. Die Maschine machte noch mal eine leichte Aufwärtsbewegung, der Pilot stieg mit dem Schleudersitz aus und pendelte an einem roten Fallschirm hängend, die Maschine stürzte rasch mit einem Neigungswinkel von etwa 30 Grad zur Erde. Ein greller Feuerball, eine Rauchwolke waren das Ende, genau 12.21 Uhr." Wäre die Maschine nur wenig früher abgestürzt, sie wäre mitten in Allrath zerschellt. So gab es glücklicherweise keine Verletzten — auch der Pilot landete sicher.

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Für die Allrather Dorfbewohner war es eine kleine Sensation, als im Winter 1924 ein Doppeldecker gleich neben dem Friedhof notlanden musste. Das englische Postflugzeug war auf einem Flug von Köln nach London unterwegs, als es zur Zwischenlandung auf den Allrather Feldern ansetzte. Die Maschine blieb heil, und schnell bildete sich eine Traube von rund 20 Menschen rund um den Doppeldecker. Der Grund für diese Notlandung ist heute nicht mehr bekannt.

Ausführlichere Details sind dagegen über den tödlichen Absturz des Flugpioniers Paul Senge überliefert. Der 22-Jährige war mit seinem Fluggerät in bis zu 1600 Metern Höhe unterwegs, als er plötzlich gegen heftige Böen kämpfen musste. Es war ein Kampf, den er verlor. Denn zu den Böen kam noch, dass die Dunkelheit einsetzte und die Sicht für den Luftfahrtpionier immer schlechter wurde. So fasste er den Entschluss, neben dem Gut St. Leonhard notzulanden. Die Landeaktion wurde zum unfreiwilligen Sturzflug. Als der Flieger rund 50 Meter über dem Boden war, senkte sich die Spitze und die Fahrt ging steil nach unten. Paul Senge stürzte zehn Meter vor dem Aufprall aus der Maschine. Schwer verletzt wurde er zu einem Grevenbroicher Arzt gebracht. Seine Diagnose: Schädel und Unterkiefer waren gebrochen, der Unglücksflieger hatte sich mehrere Arm- und Rippenbrüche zugezogen — außerdem einen Riss in der Lunge. Dieser war letztlich der Grund dafür, dass Paul Senge am Tag darauf starb.

(NGZ)
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