Grevenbroich: Als Borussen-Fan allein unter Bayern

Grevenbroich: Als Borussen-Fan allein unter Bayern

Erwin Lennartz ist eingefleischter Fan von Borussia Mönchengladbach und hat für die TV-Sendung "Fantausch" eine Woche unter Bayern-Anhängern gelebt. Zum Bundesliga-Auftakt treffen heute beide Mannschaften aufeinander.

Heute Abend muss Erwin Lennartz tapfer sein. Es könnte sein, dass seine Lieblings-Fußballmannschaft Borussia Mönchengladbach bei Bayern München verliert — und dann wird morgen Franky anrufen und ihn mit Sticheleien aufziehen. Mit Sätzen wie "Das war ja wohl nix von Euch" oder "Also, ich war gestern den Sieg feiern — und du?". Franky und Erwin verbindet eine Liebe zum Fußball, sie verstehen sich prima. "Wenn Franky nur diesen einen Fehler nicht hätte: Er ist Bayern-Fan", sagt Erwin Lennartz und lacht. Kennengelernt haben sich die beiden Männer beim Dreh zur neuen TV-Reihe "Fantausch", die ab 11. August bei Sport1 gesendet wird. Erwin Lennartz ist darin ab 2. September zu sehen.

Da schau her: Erwin Lennartz, Fan von Borussia Mönchengladbach, staunt nicht schlecht über die Kabine mit Fotos der Bayern-Stars. Foto: Erwin Lennartz

In der Sendung wechseln jeweils zwei Fußballfans für eine Woche ins Lager des Konkurrenten. Für Erwin Lennartz bedeutete das: Er musste das rote Leiberl des FC Bayern tragen, bei einem gepflegten Weißbier die "Mia san mia"-Mentalität einsaugen und statt die "Elf vom Niederrhein" das ungleich pathetischere "Stern des Südens" singen. Für den 39 Jahre alten Kapellener keine leichte Aufgabe. "Richtig peinlich aber wurde es, als ich in voller Bayern-Tracht — also in kariertem Hemd und Lederhose — durch München laufen musste", sagt er. Klar, dass das einen, der sonst im Stadion "Zieht den Bayern die Lederhosen aus" singt, mächtig wurmt.

Dennoch möchte der Laiendarsteller die Zeit in München nicht missen. Er hat Erfahrungen gesammelt, die er so schnell nicht vergisst. Natürlich sagt Lennartz nach wie vor "Einmal Raute, immer Raute", seine Liebe zu Borussia Mönchengladbach sei allenfalls noch inniger geworden. Aber er hat Einblicke in die Fankultur eines anderen Vereins gewonnen. "Im Grunde sind wir alle geeint durch die Liebe zum Spiel", sagt Erwin Lennartz. "Das gesunde Konkurrenzdenken gehört zum sportlichen Wettstreit. Und im Grund lebt die Begeisterung für den Fußball ja genau dadurch."

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Erwin Lennartz betont, dass es bei Sticheleien und Frotzeleien unter im Kern Gleichgesinnten bleiben soll. "Ich habe an ,Fantausch' ja auch teilgenommen, um für ein friedliches Miteinander zwischen den Fans zu werben", betont er. Wenn dies gelinge, dann habe sich sein Einsatz gelohnt — inklusive Trachten-Spaziergang in der bayerischen Landeshauptstadt.

Der Kontakt zu Franky ist seit dem Dreh im Frühjahr nicht abgerissen. Das Spiel heute Abend ist für beide etwas Besonderes. "Endlich rollt der Ball wieder — und dann geht's auch noch mit dem Klassiker aus den 70er Jahren los", sagt Lennartz. Ein bisschen Träumen sei erlaubt. So schwer ein Auswärtsspiel bei den Bayern auch sein mag — vielleicht gibt's ja doch eine Überraschung und einen Borussen-Sieg. Was Erwin Lennartz dann machen würde, ist klar: Er würde Franky eine SMS schicken, vielleicht auch nur das kleine Wörtchen "Auswärtssieg".

(NGZ)
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