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Grevenbroich: Als auf der Erft gerudert wurde

Grevenbroich : Als auf der Erft gerudert wurde

Boot fahren auf der Erft – das war bis in die 60er Jahre eine beliebte Freizeitbeschäftigung in Grevenbroich. Die Besucher kamen sogar aus Düsseldorf, um die Schlossstadt vom Wasser aus zu erkunden. Ein Rückblick.

Boot fahren auf der Erft — das war bis in die 60er Jahre eine beliebte Freizeitbeschäftigung in Grevenbroich. Die Besucher kamen sogar aus Düsseldorf, um die Schlossstadt vom Wasser aus zu erkunden. Ein Rückblick.

Die Freizeit auf dem Wasser verbringen — wie das am besten geht, wird derzeit auf der "Boot 2012" in Düsseldorf demonstriert. Dass der Spaß auch ohne kostspielige Yachten zu haben ist, haben die Grevenbroicher in der Vergangenheit oftmals bewiesen. Denn bis in die 1960er Jahre hinein war die Erft ein beliebtes Ziel für Freizeit-Ruderer. Sogar aus der heutigen Landeshauptstadt reisten die Besucher an, um sich in der Schlossstadt ein Boot für eine "Partie" zu leihen und die Landschaft vom Wasser aus zu erkunden.

"Bevor in den 50er Jahren die ersten Sümpfungswässer aus dem Tagebau eingeleitet wurden, floss die Erft recht ruhig durch die Landschaft", erklärt Friedrich Schmitz vom Geschichtsverein: "Das nutzten um die Jahrhundertwende einige Grevenbroicher, um ihre Boote zu verleihen." Einer von ihnen war etwa der Schreiner Peter Gruber, der um 1906 oberhalb der Kampers Mühle seine Nachen und Kähne für eine Spazierfahrt stundenweise vermietete. "Gleiches tat ein Spross der Familie Kottmann, der wegen seines langen Bartes von allen nur ,Heiland' genannt wurde: An der ,Burg' in Wevelinghoven betrieb er einen schwunghaften Bootsverleih", erinnert Schmitz.

Dass dieses Freizeitangebot gerne angenommen wurde, das weiß Agnes Dubbel aus eigener Erfahrung. Die heute 81-Jährige betrieb mit ihrem Mann einen traditionsreichen Bootsverleih mitsamt Ausflugsgaststätte am Bendgraben. "Das war eine schöne Sache. Im Frühjahr und im Sommer kamen die Leute bis aus Düsseldorf zu uns, um auf der Erft zu rudern", erinnert sich die Grevenbroicherin. Acht Kähne hatten die Dubbels im Angebot — wer sie nutzen wollte, zahlte 2,50 Mark die Stunde. "Anschließend besuchten die Gäste unseren Biergarten, um dort zu entspannen", erzählt Agnes Dubbel. Von älteren Grevenbroichern wird ihr Domizil sogar heute noch liebevoll "das Bootshaus" genannt. Auch, weil der Kanuclub dort seine Sportgeräte unterstellte.

In den 1960er Jahren wurde der Familienbetrieb eingestellt. "Es gab keinen Nachfolger, der das übernehmen wollte", sagt Agnes Dubbel. Und das bedauert sie: "Ich kann mir vorstellen, dass ein Bootsverleih heute noch die Leute anziehen würde. Das wäre eine Bereicherung für Grevenbroich."

Vielleicht kommt das ja alles wieder, meint Geschichtsvereins-Chef Friedrich Schmitz: "Auf der ruhig fließenden, leicht mäandrierenden Erft machte das Bootfahren natürlich viel Spaß. Der Erftverband will diesen Zustand in den nächsten Jahrzehnten wieder herstellen, möglicherweise gibt es dann ja auch wieder Bootsverleiher."

Heute wird die Erft intensiv von den Mitgliedern des Kanuclubs genutzt. Mit einem Wildwasser-Übungskanal, einer Slalomstrecke und einem Bootshaus direkt an der Erft bestehen für sie ideale Voraussetzungen für das Kanuwandern und den Wettkampfsport.

(NGZ/rl)