Grevenbroich: Ärztemangel im Krankenhaus

Grevenbroich : Ärztemangel im Krankenhaus

Das St.-Elisabeth-Krankenhaus kann nicht alle Stellen für junge Assistenzärzte besetzen. Es gibt zu wenig Bewerber. Immer häufiger nimmt der Nachwuchs lieber einen Job in der freien Wirtschaft an.

Noch vor wenigen Jahren war es so, dass auf eine freie Stelle als Assistenzarzt ein ganzer Stapel Bewerbungen eingingen. Das hat sich nun umgekehrt. Denn die Arztstellen können nicht mehr alle besetzt werden, weil die Bewerber fehlen. Auch im Kreiskrankenhaus Grevenbroich.

"Die Situation ist recht schwierig", räumt Krankenhausdirektor Ralf H. Nennhaus ein. Mittlerweile schaltet das Krankenhaus sogar selbst Anzeigen, um Bewerber für die Assistenzarztstellen zu finden. Das wäre vor ein paar Jahren noch undenkbar gewesen. Trotz aller Bemühungen sind immer noch zwei Stellen im St.-Elisabeth-Krankenhaus unbesetzt. Und es wären noch wesentlich mehr, wenn das Krankenhaus nicht eine ganze Reihe von Anreizen für junge Ärzte böte. So haben sie die Möglichkeit, sich über fünf Jahre hinweg weiterzubilden. "Wir nehmen die jungen Kollegen früh und häufig mit in den OP, und es gibt bei uns einen hohen Anteil chirurgischer Verfahren", skizziert Nennhaus. Doch er weiß auch: Die anderen Kollegen müssen zurzeit die Arbeit mit übernehmen, die durch die beiden offenen Stellen anfällt.

Wie konnte es eigentlich passieren, dass die Ärzteschwemme zum Ärztemangel mutierte? Nennhaus führt mehrere Gründe an: "Vor drei Jahren ist das europäische Arbeitsrecht verbindlich geworden. Seither ist es nicht mehr möglich gewesen, die Überstunden der Ärzte finanziell auszugleichen." Stattdessen mussten neue Kollegen eingestellt werden, um die Arbeit aufzufangen; allein im Grevenbroicher Krankenhaus waren das ungefähr fünf Ärzte. Jetzt sind es zirka 60 Ärzte, die ihren Dienst im Krankenhaus schieben.

Ein zweiter Grund: Immer mehr fertig ausgebildete Ärzte suchen erst gar keinen Job in einem Krankenhaus, sondern auf dem freien Markt. Sie kommen dann zum Beispiel bei Pharmaunternehmen oder Krankenversicherungen unter.

Der Grevenbroicher Orthopäde Dr. Frank Wolff kennt die Situation als Assistenzarzt noch aus eigener Erfahrung aus seiner Zeit am Grevenbroicher Krankenhaus. Er nennt noch einen weiteren Grund, warum die Stellen nicht besetzt werden können: "Es gibt viele Frauen, die aus familiären Gründen nur eine halbe Stelle nehmen." Da die Zahl der Studierenden sich im Laufe der Jahre kaum geändert habe, ergebe sich der Engpass. Außerdem fehlten noch diejenigen Ärzte, die eine Stelle im Ausland annehmen.

Unterm Strich, so Wolff, sei die Situation in Grevenbroich noch vergleichsweise erträglich: "In Ostdeutschland oder in der Eifel ist das Problem viel gravierender."

(NGZ)
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