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Grevenbroich: Ärzte sollen besser Deutsch sprechen

Grevenbroich : Ärzte sollen besser Deutsch sprechen

Im Grevenbroicher St.-Elisabeth-Krankenhaus ist zum ersten Mal ein spezieller Sprachkursus für ausländische Ärzte gestartet, um die Kommunikation mit Patienten und Angehörigen zu verbessern. Damit ist das Haus Vorreiter.

Was bedeutet bloß "japsen"? Das Wort kannte Dr. Abraham Enyeji nicht, als ein Patient ihm klar machen wollte, dass er um Luft ringen musste. Heute weiß der in der Kardiologie des St.-Elisabeth-Krankenhauses tätige, aus Kamerun stammende Arzt um die Bedeutung von "japsen" — und er verbessert seine Deutsch-Kenntnisse zusammen mit fünf anderen Ärzten weiter: Im Grevenbroicher Kreiskrankenhaus ist ein erstes Sprachtraining für ausländische Ärzte gestartet. "Damit sind wir Vorreiter im Kreis und in der Region", betont Annette Mäurer (44), Personalleiterin in den Krankenhäusern in Grevenbroich und Dormagen.

Bei der Diagnose ist die Verständigung zwischen Patient und Arzt enorm wichtig. Was für einen Schmerz empfindet der Kranke, welche Beschwerden hat er? Ausländische Ärzte stehen da oft vor Sprachhürden. "Ärzte aus anderen Ländern müssen für ihre Approbation das ,Sprachlevel B 2' absolvieren — zum Beispiel beim Goethe-Institut. Wir haben aber festgestellt, dass dieses für die Patientenkommunikation oft nicht ausreichend ist", betont Mäurer.

Also ergriff das Krankenhaus selbst die Initiative, entwickelte zusammen mit dem Nestor Bildungsinstitut in Mönchengladbach, das den Kursus betreut, das spezielle Sprachtraining. Ein Grund fürs Engagement: Die Zahl ausländischer Mediziner im Krankenhaus steigt. "Von derzeit 73 Ärzten bei uns kommen zehn aus anderen Ländern — beispielsweise aus Russland, Slowenien, Griechenland und aus Kamerun", so Mäurer. "Viele deutsche Ärzte finden im Ausland, etwa in Skandinavien, bessere Arbeitsbedingungen und Bezahlung. Umgekehrt erhalten wir derzeit etwa aus Südeuropa etliche Bewerbungen", sagt Mäurer.

Dr. Abraham Enyeji kam vor zwölf Jahren aus Kamerun nach Deutschland. "Nach meinem Abitur war klar, dass ich Arzt werden wollte. Da die Medizin hier einen sehr guten Ruf hat, bin ich nach Deutschland gekommen", erzählt der verheiratete 34-Jährige, der heute gut Deutsch spricht. "Am Anfang hatte ich aber Probleme. Mit anderen Ärzten kann ich mich mit medizinischen Fachtermini verständigen. Aber ich spreche auch mit Patienten und mit Angehörigen, die oft viel genauer als der Kranke selbst wissen wollen, wie es um die Krankheit und Heilung steht. Das sind sehr sensible Gespräche", sagt der Mediziner.

Rund 400 Unterrichtsstunden umfasst das Sprachtraining für Ärzte, das vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge gefördert wird. Am Anfang wird ermittelt, wie es um die Deutsch-Kenntnisse der Teilnehmer steht.

Zu den Themen, die auch in Rollenspielen trainiert werden, "gehören beispielsweise die Patienten-Aufnahme, Diagnostik, Hygiene sowie Pflege von Patienten. Ein Modul im Kursus befasst sich mit Mundart, damit die Ärzte auch darin gängige Begriffe verstehen", sagt Mäurer. "Wir wollen mit dem Training Erfahrungen sammeln. Möglicherweise wird daraus ein dauerhaftes Angebot." Abraham Enyeji jedenfalls erklärt: "Der Kursus hat mir schon viel gebracht."

(NGZ)