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Grevenbroich: Ärger über zu viel Kalk im Trinkwasser

Grevenbroich : Ärger über zu viel Kalk im Trinkwasser

Gut für Knochen und Zähne, schlecht für Spülmaschine, Kaffeekocher und Co.: Das Wasser in der Stadt Grevenbroich ist härter als im Bundesdurchschnitt. Warum das so ist – und was die Verbraucher dagegen tun können.

Vor einigen Jahren hat es Maria Schiffer einfach gereicht. Sie hatte genug davon, ständig länger auf ihren Kaffee zu warten als nötig. Sie hatte genug davon, ständig extra Geld für Tabs zur Entkalkung auszugeben und genug davon, dass sie zum Erhitzen ihres Kaffees nicht nur mehr Zeit, sondern auch mehr Energie brauchte, weil die Wärme sich erst durch die dicke Kalkschicht auf dem Boden des Kaffeekochers kämpfen musste.

Als Lösung blieb der 77 Jahre alten Grevenbroicherin aber erstmal nur eines: noch mehr Geld ausgeben. Für einen höheren dreistelligen Betrag kaufte sie sich eine Entkalkungsanlage. "Die Anlage wurde vielen von uns vorgestellt", erinnert sich Schiffer, die Vorsitzende des Grevenbroicher Hausfrauenbunds ist. Aber gekauft hätte letztlich nur eine handvoll Frauen ein solches Gerät. Den meisten war die Anlage zu teuer. Denn mit den Anschaffungskosten ist es nicht getan. Allein die Wartung kostet laut Schiffer nochmals etwa 100 Euro im Jahr. "Aber das Problem mit dem Kalk haben wir alle", sagt Schiffer.

Das Problem hat auch Uwe Stenzel, der als Hauptabteilungsleiter für die Versorgungsnetze beim Gas und Wasserwerk (GWG) zuständig ist. "Natürlich nervt mich das bei meinen Haushaltsgeräten auch", gibt er zu. Bei Wasch- und Spülmaschinen helfen laut Stenzel tatsächlich nur Entkalkungstabs – oder ein vorgeschaltetes chemisches Entkalkungsgerät wie bei Maria Schiffer.

Allerdings sei das Wasser, das in Grevenbroich aus den Leitungen kommt, seit der Inbetriebnahme des umgebauten Wasserwerks Fürth (neben dem zweiten im Kapellen) deutlich weicher geworden. Auch RWE habe seinen Anteil daran, dass der Härtegrad in Grevenbroich gesunken sei.

"Da wurden die verschiedenen Brunnen geschickt zusammengeschaltet", sagt Stenzel. Denn an manchen Brunnen weise das Wasser einen Härtegrad von 30, an anderen von elf Grad deutscher Härte (dH) auf. "Das liegt aber nicht, wie viele denken, am Tagebau", sagt Stenzel, "sondern generell an der unterschiedlichen Beschaffung der wasserführenden Schichten." Der nahe Tagebau mache sich nur insofern bemerkbar, als das man nun bis zu 160 Meter in die Tiefe gehen müsse, um wasserführende Erdschichten zu erreichen. Am Tagebau selbst war das schon nach zehn, 20 Metern der Fall. "Bis 2011 hatten wir teilweise 20 Grad deutscher Härte", sagt Stenzel. Jetzt liege das Wasser im Schnitt bei 17 dH, es gilt damit nach der offiziellen Klassifizierung dennoch weiter als "hart".

"Eine zentrale Enthärtungsanlage würde für unser Trinkwassernetz eine mehrstellige Millioneninvestition bedeuten, die dann wiederum auf den Trinkwasserpreis umgelegt werden müsste", sagt Stenzel. Der Preis liegt derzeit bei 0,137 Cent pro Liter Trinkwasser.

Was für die Haushaltsgeräte schädlich ist, ist für den menschlichen Körper sogar gesund. Denn Kalk bildet sich aus den Mineralien Calcium, Kalium und Magnesium, das gut für Knochen und Zähne ist.

(NGZ)