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ADFC: Trotz guter Note noch viel Arbeit in Grevenbroich

Fahrrad-Klimatest : Trotz guter Note noch viel Arbeit in Grevenbroich

Beim bundesweiten Klimatest des Fahrrad-Clubs erhielt Grevenbroich überdurchschnittliche Note 3,53. Der Grevenbroicher ADFC sieht aber auch noch Handlungsbedarf – etwa bei den Radwegen. 777 Radler aus der Schlossstadt hatten sich 2020 an der Umfrage beteiligt.

In den Schulen stehen zurzeit keine Zeugnisse an, dafür erhielten jetzt Städte und Gemeinden Noten. 60.000 Radler bewerteten beim bundesweiten Klima-Test 2020 des Allgemeinen Deutschen-Fahrrad-Clubs (ADFC) die Radfahrsituation in ihrer Kommune. Grevenbroich erhielt die Note 3,53, immerhin die fünftbeste von 46 Städten zwischen 50.000 und 100.000 Einwohnern in Nordrhein-Westfalen – etwa vor Kaarst, Meerbusch und Dormagen. Unter den acht Kommunen im Rhein-Kreis Neuss schnitt nur Rommerskirchen mit 3,21 besser ab.

Alles paletti also in der Radfahrstadt Grevenbroich? „Eine überdurchschnittliche Note ist natürlich zufriedenstellend, aber in den Ergebnissen des Klima-Tests 2020 steckt noch viel Arbeit. Auf der Note darf man sich nicht ausruhen“, sagt Wolfgang Pleschka. Der Vorsitzende der ADFC-Ortsgruppe sieht weiter Handlungsbedarf für Politik und Stadtverwaltung. Mit 777 Teilnehmern aus Grevenbroich lag die Beteiligung 2020 um mehr als 150 Prozent höher als bei der vorigen Umfrage 2018. Hunderte Schüler des Pascal-Gymnasiums hatten sich beteiligt. Im Jahr 2018 hatte die Stadt eine dürftige Note 3,9 bekommen. „Die Note war ein Ausreißer. Damals lief die Diskussion über die Umgestaltung der Bahnstraße und den Radverkehr dort. Das hat sich in den Bewertungen niedergeschlagen“, vermutet Pleschka.

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Beim aktuellen Test gab es das größte Lob der Teilnehmer für die Erreichbarkeit des Stadtzentrums mit dem Rad. In der Stadt sei zügiges Radfahren möglich, Radeln mache hier Spaß. Positiv werden zudem die vielen für Radler in beiden Richtungen geöffneten Einbahnstraßen bewertet.

Die größten Schwächen sehen die Teilnehmer beim Angebot für öffentliche Räder zum Mieten, aber auch bei der Reinigung der Radwege. Zudem wurde die Werbung fürs Radfahren in der Stadt als schwach bewertet. Vorsitzender Pleschka blickt aber auch aufs Mittelfeld der Noten, wo es einige nicht allzu berauschende Ergebnisse gibt. „Die Breite der Radwege wird nur mit einer 4,0 bewertet, die Oberfläche mit 3,6 und der Winterdienst auf Radwegen mit der Note 3,7. Auch die Mitnahme-Möglichkeit von Rädern in öffentlichen Verkehrsmitteln wurde lediglich mit einer 4.0 benotet.

„Für die Verkehrswende, bei der der Anteil des Radverkehrs gesteigert werden soll, können wir keine schmalen Radwege gebrauchen. Etwa wenn ein schnellerer Pedelec-fahrer einen Fahrradfahrer überholt, muss ausreichend Platz vorhanden sein.“ Bereits Corona habe zu einem Schub an Fahrrädern auf den Straßen geführt. Vor allem in der Innenstadt müssten Radwege verbreitert werden, „das kann dazu führen, dass die Fahrbahn für Autos schmaler wird“, so Pleschka. Handlungsbedarf sieht er etwa auf der Lindenstraße, wo der Radweg teilweise nur 80 Zentimeter breit sei.

Wolfgang Pleschkas Fazit: „Es gibt noch einiges zu tun, bis das Radwegenetz gleichwertig mit der Infrastruktur für das Auto ist.“