1. NRW
  2. Städte
  3. Grevenbroich

90. Geburtstag: Gustorf ist zur Heimat für Harrie de Zwart geworden

90. Geburtstag in Grevenbroich : Gustorf ist für Harrie de Zwart zum Ruhepunkt geworden

In Gustorf ist Harrie de Zwart heimisch geworden. Hier feiert der „Herr Pastor“ am heutigen Dienstag im Seniorenstift St. Josef seinen 90. Geburtstag. Der Ort ist dem Geistlichen, der bereits 1950 in den Orden der Augustiner eingetreten ist, ans Herz gewachsen.

„Dabei habe ich 1976, als ich in die Pfarre versetzt wurde, nicht einmal gewusst, wo Gustorf liegt“, erinnert sich der Pater schmunzelnd.

Damals war er Lehrer an der Fachhochschule für Sozialwissenschaften in Neuss tätig, davor war er zehn Jahre lang als Kaplan in Neuss, zwei Jahre als Seelsorger in einem Essener Krankenhaus und fünf Jahre als Kaplan in Brüssel tätig gewesen. Aus seinem Wirken in der Gustorfer Pfarre wurde er im Alter von 75 Jahren jäh herausgerissen. „Aus Altersgründen musste ich gehen, aber ich fühlte mich körperlich noch topfit.“ Es folgte eine sechsjährige Priestertätigkeit in Malmedy, eher er wieder nach Gustorf zurückkehrte. „Ich wollte immer zurück nach hier“ – in den Ort, in dem er Hinz und Kunz kennt; „sogar mit Vor- und Zunamen“, wie Pater Eugene, wie er im Orden genannt wird, feinsinnig ergänzt.

  • Katholische Kirche in Rheurdt : Pater Savarimuthu verstärkt die St. Martinus-Pfarre
  • Diese Brücke führt bei Frimmersdorf über
    Riesiges Holzkonstrukt an Vollrather Höhe : Sanierung von Grevenbroicher „Geister-Brücke“ erst im Herbst
  • Niko Gössing zeigt, wie viele Selbstauskünfte
    Neue Regeln für Corona-Tests in Grevenbroich : „Der Papierkrieg ist eine Katastrophe“

Gustorf ist für den Geistlichen zum Ruhepunkt geworden, zum Ort, in dem man ihn kennt und in dem er unvergessen ist. „Kinder, die ich getauft habe, sind von mir auch getraut worden. Ich habe ihre Familiengeschichte miterlebt.“ Ein Erlebnis ist ihm in der Erinnerung haften geblieben. „Ein Paar, das ich als Pfarrer getraut hatte, wollte unbedingt nach meiner Rückkehr, dass ich zur Silberhochzeit mit ihnen den Gottesdienst feiere.“

Auch heute noch wird Harrie de Zwart seelsorgerisch tätig: Jeden Montagmorgen gestaltet er eine Messe in der Kapelle der Seniorenstifts. Jeden Samstagsabend ist der Co-Zelebrant bei der Vorabendmesse in der Pfarrkirche. Der Rollstuhl, auf den der geistig rege Mann angewiesen ist, stört da überhaupt nicht. Viele Stationen umfasst das Leben des Mannes, der aus Brabant gebürtig ist. Seine Mutter stammt aus Belgien, sein Vater ist Niederländer, er studierte Theologie und Philosophie in Paris, Namur und Antwerpen und wollte ursprünglich als Ordensbruder missionarisch in Kolumbien tätig werden.

Aus Folge des Zweiten Weltkriegs kam es anders. Die in den Niederlanden ausgebildeten Geistlichen wurden nicht mehr als Missionare nach Afrika oder Südamerika versandt und sorgten für eine Priesterschwemme in der Heimat. Gleichzeitig gab es in Deutschland einen Priestermangel, der den Erzbischof von Köln veranlasste in den Niederlanden um Geistliche zu bitten.

„So kam ich nach Deutschland“, schildert der Pater, der schlussendlich in Gustorf landete. „Nach Rücksprache mit meinen Ordensbrüdern habe ich die Pfarrstelle angenommen in der Erwartung, andere Brüder würden mir folgen.“ Doch dazu kam es nicht, Harrie de Zwart blieb allein in Gustorf. Er ist zufrieden mit dem Leben, so wie er es gestaltet hat. Nicht nur die regelmäßigen Kontakte zur Pfarre und im Seniorenstift bereichern den Alltag, auch die häufigen Besuche der Nichte, die in Köln wohnt und die er in Brasilien getauft hatte, gehören.

Eine besondere Beziehung hat er zu Pfarrer Andreas Bühner, der regelmäßig zu Gast ist. Mit dessen Familie hatte der Pater stets einen sehr engen Kontakt. Er hat sie nicht nur seelsorgerisch betreut, er hat auch den jungen Mann während dessen Seminarzeit beim Theologiestudium begleitet. „Deshalb war es mir eine große Freude, ihm den Kelch zu schenken, den mir meine Eltern zu meiner Priesterweihe im Dezember 1957 geschenkt haben.“ Die Übergabe fand bei der gestrigen Montagsandacht statt. „Jetzt weiß ich den Kelch in guten Händen.“

Den heutigen Tag will Harrie de Zwart mit wachem Blick und Ruhe genießen. Was ihn erwartet? Das Leben steckt voller Überraschungen, auch für einen Menschen, der viel in der Welt herumgekommen ist und der in Gustort seinen Ankerplatz gefunden hat.Konrad Sturm, der in der Pfarre und im Seniorenstift in Gustorf sehr engagiert ist, hat sich um die Organisation der Geburtstagsfeier gekümmert, die heute Nachmittag in der Cafeteria stattfindet. „Wir konnten gar nicht alle einladen, die gerne gekommen wären. Das wäre zu anstrengend geworden“, bedauert er. Zugleich freut es ihn, dass Harrie de Zwart noch bei so vielen Menschen in guter Erinnerung ist.