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Grevenbroich: 77 Festnahmen wegen Gewalt bei Kurdendemo

Grevenbroich : 77 Festnahmen wegen Gewalt bei Kurdendemo

Wegen einer Sitzblockade kurdischer Studenten musste der Ostwall am Freitag mehr als sieben Stunden gesperrt werden. Starke Einsatzkräfte der Polizei nahmen 77 Demonstranten in Gewahrsam. Sechs Menschen wurden verletzt.

Kurdische Demonstranten legten am Freitag den Verkehr in der Innenstadt über mehrere Stunden lahm. Gegen 11 Uhr war es kurz vor dem Montanushof zu einer Sitzblockade gekommen, die erst am Abend von starken Einsatzkräften der Bereitschaftspolizei aufgelöst werden konnte. Dabei kam es auch zu Handgreiflichkeiten gegenüber den Beamten. Drei Polizisten sind leicht verletzt worden, blieben aber dienstfähig. Seitens der Demonstranten gab es ebenfalls drei leicht Verletzte.

 Die Polizei rückte in Grevenbroich mit einem Großaufgebot an.
Die Polizei rückte in Grevenbroich mit einem Großaufgebot an. Foto: Berns Lothar

Auf ihrem Protestmarsch durch die Region waren etwa 160 Mitglieder einer kurdischen Studentenbewegung am Donnerstagabend im Bahnhofsviertel eingetroffen. Am Freitavormittag setzten die Demonstranten ihren Weg in Richtung Leverkusen fort - doch auf dem Ostwall war bereits Schluss. Als die Polizei den Protestierenden verboten hatte, durchgehend mit lauter Musik und Parolen durch die Stadt zu ziehen, und daraufhin die Lautsprecherkabel kappte, eskalierte die Situation. Die Studenten stoppten ihren Demonstrationszug und blockierten eine der meist frequentierten Straßen Grevenbroichs.

 Das Räumen der Fahrbahn zog sich bis in die Abendstunden hin.
Das Räumen der Fahrbahn zog sich bis in die Abendstunden hin. Foto: Berns Lothar
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"Es kam zu erheblichen Behinderungen", schilderte Daniela Dässel. Der Ostwall wurde zwischen der Parkstraße und "Am Ständehaus" gesperrt, der Verkehr musste weiträumig umgeleitet werden, Bushaltestellen wurden nicht angefahren, Rettungswege blockiert. Verschärft wurde die Situation auch dadurch, dass ein Teil der Bahnstraße wegen des Schützenfestes gesperrt ist.

Gegen 12.45 Uhr stellte die Bereitschaftspolizei, die mit mehr als 100 Kräften angerückt war, den Kurden ein Ultimatum: Sollten sie bis 13 Uhr nicht die Straße räumen, würde die Demonstration aufgelöst; gegebenenfalls müsse die Fahrbahn dann "mit Hilfe von Zwang" geräumt werden. Die Studenten machten allerdings klar, dass sie sitzen bleiben werden, so lange sie nicht nach ihren Richtlinien weitermarschieren dürften - also unter Lautsprecherbegleitung.

Um 13.20 Uhr löste die Polizei die Demonstration auf: Die Teilnehmer wurden umstellt und nach und nach abgeführt - zuvor wurden ihre Personalien aufgenommen. Daten von 107 Männer und 49 Frauen, davon 15 Jugendliche, wurden erfasst. Dabei kam es auch zu Übergriffen auf die Beamten. "Die Kollegen sind getreten und mit Flaschen beworfen worden", schildert die Duisburger Polizeisprecherin Daniela Krasch. Vereinzelt mussten Polizisten auch Schläge von den Demonstranten einstecken. Daraufhin sei es nicht nur zu Platzverweisen gekommen: 77 Personen wurden in Gewahrsam genommen. Die Polizei kündigte zahlreiche Strafanzeigen wegen Landfriedensbruch, Körperverletzung und Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte an. Erst nach 18.15 Uhr konnte der Ostwall wieder für den Verkehr freigegeben werden.

Mit ihrem Protestmarsch machten die Jugendlichen auf die politische Situation in Kurdistan aufmerksam. Nach Erkenntnissen des Staatsschutzes gibt es "eine größere kurdische Diaspora in Grevenbroich", wie Susanne Heusgen, Sprecherin im Polizeipräsidium Düsseldorf berichtete. Bekannt sei, dass es von dieser Gruppierung oder von Einzelnen aus diesem Umfeld in den vergangenen Monaten vermehrt zu politisch motivierten Straftaten und vereinzelten Körperverletzungsdelikten gekommen sei.

Dazu soll auch der Anschlag mit einem Molotowcocktail auf den Treffpunkt des türkischen Vereins an der Dechant-Schütz-Straße im März gehören, wie die Polizeisprecherin sagt. Ein Brennsatz war in die Räume der "Union Europäisch-Türkischer Demokraten" geworfen worden.

(NGZ)